Gedenktafeln am Alexanderplatz


In einer Zwischenebene des Bahnhofs Alexanderplatz fallen drei Bronzetafeln auf:

Als der U-Bahnhof Alexanderplatz in der Zeit um 1930 umgebaut wurde, wurden in der Zwischenebene unter der U2 zunächst zwei Gedenktafeln montiert. Später, 1932, kam eine dritte Tafel hinzu.

Wer waren diese drei Herrschaften?

Paul Wittig wurde 1853 in Fraustadt, Schlesien geboren. Er war ab 1897, also von der ersten Stunde an, zunächst alleiniger Vorstands-Vorsitzender der Hochbahngesellschaft, ab 1913 Vorsitzender des mehrköpfigen Vorstands. Nebenbei hat er anfänglich einige U-Bahnhöfe entworfen, bevor er dieses Ressort Alfred Grenander anvertraute. Wittig führte die Hochbahngesellschaft bis zur Überführung in die 1929 gegründete BVG. Nach Gründung der BVG stand er dieser beratend zur Seite. Am 12. März 1943 verstarb Wittig in Berlin.

Max Steinthal, 1850 in Berlin geboren, begann 1866 an der Königstädtischen Realschule eine Bankfachlehre im Bankhaus Paderstein und wurde nach wenigen Jahren dessen Direktor. 1873 trat er in die Deutsche Bank ein und wirkte dort bis 1933 in verschiedenen Positionen. Bis 1905 war er im Vorstand tätig und ab 1914 bis 1923 als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender, ab 1924 bis 1933 Aufsichtsratsvorsitzender. Steinthal sorgte für die Finanzierungsgeschäfte der Deutschen Bank gegenüber der Hochbahngesellschaft und ermöglichte somit den umfassenden U-Bahnbau in Berlin. Steinthal wurde von den Nationalsozialisten aufgrund seiner jüdischen Herkunft von seinen Positionen gedrängt, musste auch sein privates Anwesen verkaufen. Er konnte sich aber nie durchringen aus zu wanden und lebte daraufhin in einem Berliner Hotel. Er verstarb 1940 in Berlin.

Gustav Kemmann wurde 1858 in Mettmann geboren. Er hat für die Hochbahngesellschaft die wissenschaftlichen Grundlagen zum U-Bahnbau geschaffen. Als technischer Ingenieur schuf er zum Beispiel auch das selbsttätige Signalsystem, welches 1913 erstmalig bei der Berliner U-Bahn zur Anwendung kam. Er verstarb 1931 in Berlin. Die BVG-Zeitschrift "Die Fahrt" schrieb über ihn in der Ausgabe 5/1932 folgendes:

Erinnerungsfeier zu Ehren Kemmanns

Zu Ehren des Geheimen Baurats Dr.-Ing. Gustav Kemmann wurde an seinem einjährigen Todestage im Beisein seiner Angehörigen, Freunde und Mitarbeiter neben den Tafeln für den Geheimen Baurat Paul Wittig und den Geheimen Kommerzienrat Max Steinthal im U-Bahnhof Alexanderplatz eine Erinnerungstafel angebracht. Geheimrat Kemmann erlitt am 9. Februar vorigen Jahres in einem Straßenbahnwagen der Linie 57 einen Schlaganfall. Der Schaffner Wilhelm Schützig vom Bf. 13, der sich hierbei in vorbildlicher Weise um den Erkrankten bemühte und seine Überführung in das Krankenhaus veranlasste, nahm ebenfalls an der Feier teil.

Zu den Tafeln bleibt noch anzumerken, dass die Originale um 1940 entfernt und später der Rüstungsindustrie geopfert wurden. Sie wurden eingeschmolzen. Anlässlich des hundertsten Betriebsjubiläums der Berliner U-Bahn im Jahre 2002 wurden die Tafeln am Alexanderplatz wieder neu enthüllt.

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