Berlins U-Bahnhöfe


 

Fehrbelliner Platz
U3 < Heidelberger Platz (1211 m) <
Richtung Krumme Lanke
U3 > Hohenzollernplatz (750 m) >
Richtung Nollendorfplatz
Übergang zur U-Bahnlinie U7  

Wilmersdorfer Untergrundbahn

BVG-Kürzel: Fpo (für Fehrbelliner Platz oben)
12. Oktober 1913 eröffnet durch die Stadt Wilmersdorf
Bezirk
Wilmersdorf von Berlin

Nach den Vorstellungen der nach 1900 aufstrebenden Stadt sollte der heutige Fehrbelliner Platz der Stadtmittelpunkt Wilmersdorfs werden. Hier war zum Beispiel der Bau eines herrschaftlichen Rathauses vorgesehen, wie dies in den Umlandgemeinden Berlins zu einer gewissen Mode geworden ist. Zu dem Rathaus sollte sich nun auch noch eine Untergrundbahn gesellen, denn diese Bahn sah man als das Modernste an, was man seinen begüterten Bürgern bieten konnte. Zunächst aber sollte hier die Strecke ihr Ende finden. Erst als sich die Domäne Dahlem bereit erklärte, die Bahn auf ihrem Gebiet bauen zu wollen und der Stadt Wilmersdorf einen Baukostenzuschuss von 2,3 Millionen Mark offerierte, war Wilmersdorf bereit, die Strecke bis zum damaligen Rastatter Platz weiter zu führen. Auch die Terraingesellschaften im südlichen Wilmersdorf boten einen Baukostenzuschuss von 2 Millionen Mark. Dies kam der Stadt Wilmersdorf natürlich sehr entgegen, da hierdurch das bis dahin noch unbebaute Südgelände erschlossen werden konnte. So wurde um 1909 mit dem Bau der U-Bahn in der Gegend des heutigen Fehrbelliner Platzes begonnen.

Der Bahnhof befindet sich in einer leichten Krümmung und erhielt selbstverständlich einen Mittelbahnsteig. Vorgelagert sind die Zugänge mit Vorhallen. Die Wände wurden mit grün-bräunlich gehaltenen Fliesen aus der Werkstatt Richard Mutz & Rother gestaltet. Die achteckigen Mittelstützen erhielten eine Fliesenverkleidung mit dunkelroter "Mutzkeramik". Auch dieser Bahnhof wurde von Wilhelm Leitgebel entworfen. Ursprünglich war ein dritter Zugang in der Bahnhofsmitte vorgesehen. Er sollte in sehr repräsentativer Form gestaltet werden, da der Fehrbelliner Platz damals als Mittelpunkt der Stadt Wilmersdorf vorgesehen war. Der dritte Eingang ist in dieser geplanten Form nie entstanden. Der einst als mit herrschaftlichen Gebäuden umplante Platz blieb zum Teil bis in die 30er Jahre unbebaut und wurde dann mit Verwaltungsgebäuden im nationalsozialistischen Monumentalstil versehen.

Ein erster Umbau fand um 1951 statt, als auf dem Fehrbelliner Platz eine Wartehalle für die Fahrgäste der Straßenbahn geschaffen wurde. Dieser leichten Glashalle, die von Werner Klenke stammte, wurde ein ebenfalls überdachter Zugang zur U-Bahn angegliedert. Hierfür musste der alte Zugang am Südende aus dem Jahre 1913 sowie eine runde Wartehalle von 1928 abgerissen werden. Nach 1964 diente diese Unterstellhalle den Fahrgästen der nunmehr hier verkehrenden Autobuslinien, die die Straßenbahn ablösten.

1968-72 wurde der Bahnhof erheblich umgestaltet, wobei die Bahnsteighalle glücklicherweise unangetastet blieb. Neu war ein dritter Bahnhofszugang, er besteht aus einem tiefer liegenden Verbindungsgang, der in eine neue geräumige Vorhalle mündet, die im Zusammenhang mit dem Bau der Linie 7 entstand. Damit sich der Treppenabgang harmonisch in das Bild dieses Bahnhofs einfügt, mussten zeitgenössische Geländer beschafft werden: Die fand man in den 60er Jahren an der Kaiserdammbrücke, die wegen des Stadtautobahnbaus umgebaut werden musste. Teile der Geländer aus der Zeit von 1908 fanden hier Verwendung. Die übrigen Zugänge wurden damals allerdings völlig verfremdet und dem Geschmack der Zeit angepasst. Der 1951 umgebaute Südzugang wurde 1970 abgerissen und mit einem neuen Gebäude überbaut. Dieses auffallende rot-grüne Gebäude auf der Platzkreuzung beherbergt Einrichtungen der BVG und wird von den Berlinern treffend "Bohrinsel" genannt. Mit Sicherheit ist diese "Bohrinsel" eine Bereicherung der ansonsten recht tristen Platzanlage. Auch der im Hohenzollerndamm gelegene Ost-Zugang wurde vollkommen umgebaut und damit modernisiert. Ob es sich zuvor noch um den Originalzugang von 1913 handelte, bleibt zu klären. Auch die beiden Vorhallen sind im Laufe der Jahrzehnte umgebaut worden. Nur das hölzerne Kassenhäuschen am Nordausgang hat sich erhalten.

Seit 29. Januar 1971 kann hier zur Linie 7 Richtung Britz-Süd umgestiegen werden, heute ist dies die U7 von Rudow nach Rathaus Spandau.

1978 wurden die Reklameflächen mit Bildnissen von "Heinrich Zille seinem Milljöh" versehen. Zille beschrieb ja eigentlich das ärmlichere Berlin, zudem diese Gegend mit Sicherheit aber nicht gehörte. Passender wären sicher Bilder des alten Wilmersdorf gewesen.

Zu beiden Seiten sind Kehrgleisanlagen angeordnet. Bis 1929 endeten die aus Richtung Alexanderplatz kommenden Züge auf diesem Bahnhof. Zur Weiterfahrt musste in einen kürzeren Zug umgestiegen werden, der nicht selten nur aus einem Wagen bestand. Als Grund führte die Hochbahngesellschaft damals an, dass sich der Einsatz von 6-Wagenzügen nach Thielplatz nicht lohne. Erst als die Strecke zur Krummen Lanke verlängert wurde, hob man den Umsteigezwang auf.

 


Bahnsteighalle der U3 (Wilmersdorfer U-Bahn)


Original erhaltener Fahrscheinkiosk in der östlichen Vorhalle


Historische Bilder


U-Bahnhof Fehrbelliner Platz
Aufnahme 50er Jahre
Auch dieser Bahnhof, zumindest die Bahnsteighalle, zeigt sich heute noch in seinem Erscheinungsbild von 1913.


Nur das Beste: Mutz-Keramik für die Bahnhofs-Wände

U3 < Heidelberger Platz (1211 m) < U3 > Hohenzollernplatz (750 m) >
Übergang zur U-Bahnlinie U7  

 


Alle nichthistorischen Bilder:
Berliner-Untergrundbahn.de
Januar 2008