Was sonst noch geschah...
Ereignisse
in Berlin und im Berliner Nahverkehr
1940 - 1949
1900
| 1910
| 1920
| 1930
| 1940 |
1950 | 1960
| 1970 |
1980 | 1990
| 2000
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1941
1942
1943
1944
Jan. 1945
Mai 1945 1946
1947
1948
1949
21. Januar 1940
Zwischen Berlin und Moskau wird der Linienflugverkehr aufgenommen.
22. Januar 1940
Einführung der ersten Straßenbahnlinie mit einer Linienbezeichnung über 299
(Linie 376: Schöneberg, Thorwaldsenstraße - Grunewald, Hagenplatz)
27. Februar 1940
Peter Behrens, Industriedesigner und Architekt, verstirbt in Berlin im Alter von
72 Jahren.
14. März 1940
Reichsminister Hermann Göring ruft die Bevölkerung auf, Buntmetalle zu
sammeln.
Er appelliert an die "nationalsozialistische Opferbereitschaft".
1. April 1940
Im Deutschen Reich wird erstmals die Sommerzeit eingeführt.
4. Juli 1940
Es ist den Juden nur noch zwischen 17 und 18 Uhr gestattet, einzukaufen. Bereits
seit geraumer Zeit werden ihnen Kleiderkarten vorenthalten, außerdem wurden ihnen die Fernsprechanschlüsse gekündigt.
5. August
1940
Die BVG erwirbt drei Kleinbusse mit Holzgasantrieb
12. August
1940
Als einzige Neubaustrecke der Straßenbahn während des 2. Weltkrieges wird die
Strecke Rudow - Schönefeld (Linie 147) eröffnet. An der Waltersdorfer Chaussee
verlässt diese Linie das Berliner Stadtgebiet.
25. August 1940
Fliegerangriff auf Berlin! Britische Bomber greifen die Reichshauptstadt an.
Dies ist ein Vergeltungsangriff auf den deutschen Angriff auf London vom
Vortage. Die meisten Flieger über Berlin drehen witterungsbedingt ab, einige
werfen ihre Ladungen über Reinickendorf und Pankow ab.
28. August 1940
Erneuter Fliegerangriff gegen Berlin. Diesmal gibt es die meisten Schäden in
Kreuzberg.
27. September 1940
Deutschland schließt mit Italien und Japan einen "Dreimächtepakt",
in dem sich die Beteiligten zur militärischen, wirtschaftlichen und politischen
Hilfe verpflichten.
6. Oktober
1940
Die S-Bahnstrecke Mahlow - Rangsdorf wird in Betrieb genommen.
1.
November 1940
Die Deutsche Reichsbahn führt ein neues numerisches Ordnungssystem für die
Bezeichnungen ihrer Züge ein. Im Bereich der Berliner S-Bahn werden die
Bezeichnungen "Stadtbahn" oder "Olympia" beispielsweise
durch 165 bzw. 167 ersetzt.
1940
Fast alle Doppeldeck-Autobusse werden auf Flüssiggas-Antrieb umgestellt.
Auf dem Schöneberger Südgelände wird die "Wohnanlage am Grazer Damm" mit 2000 Wohneinheiten fertig gestellt. Architektonisch hat man sich von den fortschrittlichen Bauten im Bauhaus-Stil der Weimarer Zeit verabschiedet, der "Heimatschutz" gilt als Maß aller Dinge. Heimatschutz bedeutet Spitzdächer, Fensterläden, steinerne Türeinfassungen, Wohnküchen und Zentralöfen, die über Heizkanäle die gesamte Wohnung heizen können. Und natürlich befestigte Luftschutzkeller...
20. Januar
1941
Erstmals werden Autobusse mit Beiwagen eingesetzt.
1. April 1941
Der Nachtstraßenbahn- und Nachtautobusverkehr wird neu geordnet. Die Linien
tragen Bezeichnungen im 400er-Bereich
22. Juni 1941
Die Deutschen beginnen den Überraschungsangriff auf die Sowjetunion.
12./13. August 1941
Britische Bomber führen einen Luftangriff auf Berlin durch. Sie werfen 82
Tonnen Sprengbomben über der Stadt ab.
12. September 1941
Adolf Hitler ruft zu Spenden für das Winterhilfswerk auf.
19. September 1941
Juden sind künftig verpflichtet, den "Judenstern" offen an der
Kleidung zu tragen.
September
1941
In Mahlsdorf kommt es zu einem S-Bahnunglück, als ein in den Bahnhof
einfahrender Zug den Prellbock überfährt und auf die dahinter gelegene
Hönower Straße hinunterstürzt.
18. Oktober 1941
In Berlin haben sich Juden erstmals im Bahnhof Grunewald zur Deportation einzufinden. Die ersten Transporte führen in das Ghetto von Lodz, dem späteren
"Litzmannstadt".
11. Dezember 1941
Hitler gibt in der Krolloper den Beginn des Krieges gegen die USA bekannt.
Dezember 1941
In Berlin leben noch 55.000 Juden.
Im neuen Diplomatenviertel am Tiergarten wird die neue Italienische Botschaft nach Plänen von Friedrich Hetzelt im NS-Monumentalstil fertiggestellt.
12. Januar 1942
An zwei Tagen in der Woche wird in den Berliner Gaststätten nur noch
"Feldküchen-Essen" angeboten. Ebenso wird der
"Eintopfsonntag" eingeführt. Ursache für diese Maßnahmen ist die
angespannte Situation in der Lebensmittelversorgung.
20. Januar 1942
In Wannsee tagt eine Konferenz, bei der unter der Leitung
von Reinhard Heydrich die sog. "Endlösung der Judenfrage" geklärt
wird.
15. Februar 1942
In Berlin werden so genannte "Raucherkarten" eingeführt. Frauen steht
gegenüber den Männern die halbe Menge von Tabak zu.
27. Februar 1942
Reichspropagandaminister Goebbels verurteilte schärfstens die
Rundfunkstationen, bei denen noch immer Jazz-Musik gesendet wird. Die Sender
hätten leichte Unterhaltungsmusik und Klassik zu senden.
23. April
1942
Zwischen Steglitz und Mariendorf wird mit der Linie A 97 die dritte O-Buslinie in Betrieb
genommen. Seit 1933 und 35 gibt es die Linien A 31 Spandau - Staaken und A 32
Breitenbachplatz - Marienfelde.
20. August 1942
Vorsitzender des Volksgerichtshofes wird der Jurist Roland Freisler, der als
"Blutrichter" in die Geschichte eingeht: Seine Urteile lauten zumeist
auf Todesstrafe. Urteile des Volksgerichtshofes waren juristisch nicht
anfechtbar.
31. August 1942
In Berlin werden rund 100 Mitglieder der Widerstandsgruppe "Rote
Kapelle" verhaftet.
1942
Im Botschafterviertel wird die
Japanische Botschaft im NS-Monumentalstil nach Plänen von Ludwig Moshamer
fertiggestellt.
1942
An der General-Pape-Straße
entsteht in einem Kleingartenareal der so genannte
"Großbelastungskörper". Mit ihm soll die Standfestigkeit der
Berliner Baugrundes untersucht werden, was erforderlich ist, für den Bau der
geplanten Nord-Süd-Achse.
17. und 18. Januar 1943
Über Berlin gehen 700 Tonnen Bomben hernieder. Die Deutschlandhalle brennt aus.
30. Januar 1943
Britische Bomber greifen Berlin an und sollen gezielt die Feierlichkeiten zum 10.
Jahrestag der Hitlerschen Machtergreifung stören.
Januar
1943
Für den Stadtgas-Busbetrieb werden jetzt einachsige Anhänger mitgeführt.
12. Februar 1943
Berliner Schüler, die älter als 15 Jahre sind, werden als Luftwaffenhelfer zum
Kriegsdienst herangezogen.
18. Februar 1943
Stalingrad ist verloren.
Joseph Goebbels ruft die Berliner im Sportpalast zum "Totalen Krieg"
auf:
"Wollt Ihr den Totalen Krieg? Wollt Ihr ihn, wenn nötig totaler und
radikaler, als wir uns ihn überhaupt erst vorstellen können?" Stürmischer
Jubel: "Jaaaa!!!!!"
28. Februar 1943
Die "B.Z. am Mittag" stellt ihr Erscheinen ein.
2. März 1943
Schwerer Luftangriff auf Berlin: 251 Britische Bomber werfen u.a. 1,8 Tonnen
schwere Sprengbomben ab: die so genannten "Wohnblockknacker". Es
bleiben verheerende Zerstörungen, unter anderem ist die Hedwigskathedrale
zerstört. Das also ist der "Totale Krieg"!
Am selben Tag stellt Goebbels "mit Bedauern" fest, dass noch etwa 4000 Juden in Berlin untergetaucht leben. Er rügt das Unverständnis in den Bevölkerungsschichten, die "unsere Judenpolitik" nicht verstehen und sich auf die Seite der Juden stellen.
1. August 1943
Goebbels leitet die Evakuierung der Berliner Bevölkerung ein. Er appelliert an
die Berliner, die in Berlin keine Verpflichtungen haben, die Stadt umgehend zu
verlassen. Mit organisierten Transporten wird die
"Kinderlandverschickung" eingeleitet.
9. August
1943
Betriebsaufnahme der S-Bahn zwischen Lichterfelde-Ost und Lichterfelde-Süd.
18. November 1943
Bis 3. Dezember fliegen die Briten fünf Großangriffe auf Berlin.
23. November 1943
Bei einem Luftangriff wird die BVG-Hauptverwaltung in der Köthener Straße
zerstört.
1943
Am Fehrbelliner Platz wird das
Verwaltungsgebäude der "Deutschen Arbeitsfront" fertig gestellt.
Dieses Gebäude beherbergt heute das Rathaus Wilmersdorf.
1. Januar 1944
Postleitzahlen werden eingeführt. Berlin erhält die Postleitzahl 1.
Dieses Postleitzahlen-System konnte sich noch nicht durchsetzen. Die Deutsche
Bundespost griff dieses System erst 1963 wieder auf. Berlin erhielt wieder die
1.
3. Januar 1944
Die Briten starten eine Großangriffsserie auf Berlin, die bis 1. Februar
andauert.
30. Januar 1944
Wegen Bombenschäden wird der Betriebshof Kreuzbergstraße geschlossen.
3. März 1944
Die letzten Züge der Bauart 167 (1938/41) werden in Betrieb genommen. Die
Beschaffung weiterer S-Bahnzüge wird kriegsbedingt bis auf weiteres
unterbrochen.
6. März 1944
Die Amerikaner fliegen ihren ersten Angriff auf Berlin.
Mai 1944
Die Insel Schwanenwerder ist mit einem Autobus (ohne Liniennummer) erreichbar.
6. Juni 1944
Die Alliierten haben die Normandie erreicht.
Berliner informieren sich durch ausländische Radiosender über das
Kampfgeschehen und werden dadurch über jene Dinge informiert, die ihnen der
Großdeutsche Rundfunk vorenthält.
21. Juni 1944
Die Amerikaner fliegen einen Großangriff mit 2500 Bombern gegen Berlin.
26. Juni 1944
Die BVG nimmt die Personenschifffahrt zwischen Kladow und Wannsee sowie zwischen
Kladow und Stößensee auf.
3. Juli 1944
Der Potsdamer Ringbahnhof ist zerstört. Aus diesem Grund gibt es keinen
Spitzkehrbetrieb auf der Ringbahn mehr. Die Ringzüge fahren nun als
"Vollring" ohne Unterbrechung. Außerdem wurde der Bahnhof
Kolonnenstraße geschlossen. Ebenso wird die Nordringkurve zwischen Witzleben
und Charlottenburg außer Betrieb genommen.
20. Juli 1944
Das Attentat gegen Hitler in der "Wolfsschanze" ist gescheitert. Noch
am selben Tag werden einige der verantwortlichen Leute um Graf Stauffenberg in
Plötzensee hingerichtet. In der Folgezeit finden von Freisler in Szene gesetzte
Schauprozesse am Volksgerichtshof statt, um weitere Hintermänner abzuurteilen.
7. August 1944
Vor dem Volksgerichtshof findet der erste Prozess gegen die Attentäter vom 20.
Juli statt. Die Todesurteile werden in Plötzensee, einer berüchtigten
Haftanstalt, vollstreckt.
10. August 1944
Öffentliche Veranstaltungen "nicht kriegsmäßigen Charakters" sind
künftig untersagt.
In dieser Folge werden viele Theater geschlossen.
1. September 1944
Der "Kriegseinheitstarif" wird bei der BVG eingeführt.
12. September 1944
In London verabschieden die USA, England und die Sowjets ein Protokoll, welches
die Aufteilung Deutschlands in Besatzungszonen nach Kriegsende vorsieht. (sog.
"Londoner Protokoll")
25. September 1944
Ein Erlass über den "Volkssturm" ordnet die Erfassung aller
waffenfähiger Männer zwischen 16 und 60 Jahren an, die bislang nicht eingezogen
wurden.
1. Oktober
1944
Auch die S-Bahn führt den Kriegseinheitstarif mit acht Preisstufen ein.
13. November 1944
Juden ist der Aufenthalt in den Berliner Wärmehallen untersagt.
1944
Der Straßenbahnbetriebshof Grenzstraße wird aufgrund der Zerstörungen
geschlossen.
1. Februarwoche 1945
Während die westlichen Alliierten noch in den Ardennen gegen die Deutschen
kämpfen, können die Sowjets die Front im Osten durchbrechen und fast
ungehindert auf Berlin zu marschieren. Sie stehen mit einen Brückenkopf an der
Oder bei Küstrin, etwa 60 Kilometer vor der Reichshauptstadt. In 18 Tagen haben
die Sowjets mehr als 500 Kilometer zurückgelegt.
1. Februar 1945
Joseph Goebbels, Gauleiter von Berlin, erklärt die Stadt zu einer
"Festung". Kriegshelfer in Berlin sind aufgefordert, Panzersperren zu
errichten und Sperrgräben auszuheben. Um die Innenstadt wird ein Sperrwall
errichtet.
3. Februar 1945
Gegen Berlin wird ein besonders schwerer Luftangriff geflogen. Hierbei werden
weite Stadtgebiete verwüstet.
Der öffentliche Nahverkehr kommt nahezu vollständig zum erliegen.
4. - 11. Februar 1945
Konferenz von Jalta
Beschluss über die Aufteilung Deutschlands in Besatzungszonen.
Jalta-Konferenz, ein
Stichwort:
Zwischen Churchill,
Roosevelt und Stalin in Jalta abgehaltene Gipfelkonferenz, deren Zweck die
Vereinbarung politischer und militärischer Maßnahmen zur Beendigung des 2.
Weltkrieges und zur Gründung der UN war. Für Europa wurde u.a. vereinbart:
Aufteilung des Deutschen Reichs in vier Besatzungszonen und Mitwirkung
Frankreichs im Alliierten Kontrollrat; Entmilitarisierung und Entnazifizierung
Deutschlands; Forderung der Oder-Neiße-Linie als Westgrenze und Festlegung der
Curzon-Linie als Ostgrenze Polens; Bildung einer provisorischen polnischen
Regierung unter Beteiligung der Londoner Exilregierung und des Lubliner
Komitees, Bildung einer jugoslaw. Regierung durch Tito und Šubašic.
10. März
1945
Durch einen Bombenangriff wurde der Hochbahnhof Osthafen zerstört. Er wird
nicht wieder aufgebaut.
Mitte März 1945
Hitler besucht die Ostfront. Es ist sein letzter Besuch. Die letzten Kriegstage
wird er in seinem Bunker in der Berliner Reichskanzlei verbringen.
2. April 1945
In den letzten Tagen war es in Berlin relativ ruhig. Die Sowjetische Armee erreicht nach
erbitterten Kämpfen bei den Seelower Höhen allmählich den Großraum Berlin.
Die Stadt ist praktisch umzingelt. Die Kämpfe, 60 Kilometer vor der Stadt,
waren so heftig, dass das Geschirr in den Schränken von Berliner Wohnungen
gezittert hat und Telefone mit einem Male anfingen zu klingeln.
11. April 1945
Die meisten Verkehrsmittel in Berlin dürfen nur noch mit Sonderausweisen
benutzt werden.
Am selben Tag abends erreichen die Amerikaner die Elbe.
16. April 1945
Die sowjetischen Truppen unter den Generälen
Georgi Schukow und Ivan Konjew leiten die so genannte "Schlacht um
Berlin" ein, es beginnt ein erbitterter Straßenkampf.
20. April 1945
Die Personenschifffahrt der BVG muss eingestellt werden.
21. April 1945
Die Sowjets vereinnahmen die Berliner
Vororte Bernau, Werneuchen, Strausberg und Erkner
Somit ist es nun möglich, mit der S-Bahn (wenn sie denn fährt) von der
Westfront an die Ostfront zu fahren.
Der Berliner Bevölkerung ist der Verbrauch von Gas und Strom untersagt.
21.
April 1945
Der S-Bahnverkehr im Nord-Süd-Tunnel wird eingestellt.
21. April
1945
Die letzten drei Autobuslinien stellen ihren Betrieb ein.
Die Amerikaner fliegen ihren letzten Luftangriff auf Berlin.
22. April
1945
Vor dem Zusammenbruch verkehren in Berlin die letzten Straßenbahnen
22. April 1945
Die sowjetischen Truppen erreichen das
Stadtgebiet von Berlin und besetzen Teile von Frohnau, Lichtenberg und
Weissensee.
23.
April 1945
Weite Teile des U-Bahnnetzes werden stillgelegt. Es fahren nur noch auf wenigen
Strecken vereinzelt einige Züge.
25. April
1945
Nur im Südwesten Berlins fuhren noch ein paar S-Bahnzüge. Der S-Bahnverkehr
kommt zum Erliegen.
25. April 1945
Folgende am Stadtrand Berlins gelegene
Stadtteile sind durch die sowjetischen Truppen bereits erobert:
Heiligensee, Reinickendorf, Wittenau, Niederschönhausen, Weissensee, Hohenschönhausen,
Friedrichsfelde, Lichtenberg, Treptow, Adlershof, Rudow, Britz, Buckow,
Lichterfelde, Lankwitz und Zehlendorf, sowie Teile von Spandau.
Selber
Tag
Gegen 18 Uhr wird der verbliebene U-Bahnverkehr
eingestellt, nachdem das Kraftwerk in Ruhleben unter direktem Beschuss steht. In
Berlin findet kein öffentlicher Nahverkehr mehr statt. Die BVG-Verwaltung
besteht nur noch aus einer 2-Zimmer-Wohnung am Kaiserdamm.
27. April 1945
Die Sowjets vereinnahmen den Rest von
Spandau sowie Gartenfeld, Siemensstadt, Kreuzberg, Neukölln, Tempelhof,
Steglitz und Dahlem.
28. April 1945
Generaloberst Bersarin wird zum Chef der Besatzung und gleichzeitig zum Stadtkommandanten von
Berlin ernannt.
Teile von Charlottenburg und Schöneberg, Gatow, der Grunewald und Moabit sind
in der Hand der Sowjets.
Während in der Innenstadt noch erbitterte Kämpfe statt finden, beginnt die Bevölkerung
am Stadtrand bereits mit ersten Aufräumungsarbeiten!
29. April 1945
Teile von Wilmersdorf, Halensee und dem Zentrum von Sowjets besetzt.
Am selben Tag erscheint letztmalig das NS-Kampfblatt "Der Panzerbär".
30. April 1945
Weitere Teile von Wilmersdorf und Witzleben, sowie Horst-Wessel-Stadt
(Friedrichshain) werden besetzt, die Sowjets erobern den Reichstag und hissen
auf dem Dach die Rote Fahne. Hitler
begeht im Führerbunker der Reichskanzlei Selbstmord, nach dem er Eva Braun
geehelicht hat.
Die "Gruppe Ulbricht" trifft aus Moskau kommend in Berlin ein und nimmt in Friedrichsfelde zunächst Quartier. Sie soll nach Kriegsende eine "antifaschistisch demokratische" Gesellschaftsordnung aufbauen. Leiter der Gruppe war Walter Ulbricht, späterer Staatschef der DDR. Der Gruppe Ulbricht gehörten neben Walter Ulbricht unter anderen Otto Winzer, Paul Verner, Markus Wolf und Wolfgang Leonhard an.
1. Mai 1945
Die Sowjets vereinnahmen den Tiergarten, den Wedding sowie den Rest von
Horst-Wessel-Stadt.
Sie stehen nun direkt an der Potsdamer Brücke, der Weidendammer Brücke und am
Alex, also schon mitten im Zentrum der "Reichstrümmerstadt"
2. Mai 1945
Die deutschen Truppen sprengen den S-Bahntunnel der Nordsüdbahn am
Landwehrkanal. Hierdurch wird nicht nur der komplette Tunnel zwischen Anhalter-
und Stettiner Bahnhof überflutet, sondern bedingt durch einen Verbindungsgang
am Bahnhof Friedrichstraße auch ein erheblicher Teil des U-Bahnnetzes.
General Weidling unterschreibt ein vorübergehendes Waffenstillstandsabkommen, woraufhin die deutschen Truppen die Kriegshandlungen einstellen. Letzte Kämpfe fanden noch am 3. Mai statt.
3. Mai 1945
Nachdem nun die Waffen schweigen, herrscht in Berlin eine gespenstische Ruhe.
Die Sowjets haben die Stadt erobert und haben alle wichtigen Örtlichkeiten
durch bewaffnete Posten besetzt, während die Berliner Bevölkerung weiße
Bettlaken aus den Fenstern gehängt hat. Die Stadt ist völlig zerstört, in
weiten Stadtgebieten gibt es kaum Häuser, die den Krieg unbeschadet überstanden
haben, sondern nur noch leblose Ruinen. Hier und da haben sich einige
Überlebende in Kellern notdürftig eingerichtet. Zwischen 22 und 8 Uhr herrscht
Ausgangsverbot. Der öffentliche Nahverkehr ist schon vor Wochen zum Erliegen
gekommen, die Oberleitungs-Anlagen der Straßenbahn sind zu 95 % zerstört,
U-Bahntunnel beschädigt und zum größten Teil mit Wasser voll gelaufen. Viele
Berliner haben nun existenzielle Sorgen: Wie soll es nun weitergehen?
Der Krieg ist zu Ende!
6. Mai 1945
In den Tagen seit der Waffenruhe konnte ein neuer Magistrat zusammengestellt
werden. Die Mitglieder dieses Magistrats, teilweise politisch völlig unbekannte
Persönlichkeiten, werden an diesem Tag in der Zentralkommandantur Lichtenberg
Stadtkommandant Generaloberst Bersarin vorgestellt. Die Mitglieder erklären in
knappen Zügen ihr Aufbauprogramm für Berlin. Es ist der Grundstein für eine
entnazifizierte Berliner Zivilverwaltung.
8. Mai 1945
Deutschland kapituliert
Im Hauptquartier der sowjetischen Streitkräfte in Berlin-Karlshorst werden die
Kapitulationsurkunden unterschrieben. Es handelt sich hierbei um die formelle
bedingungslose Kapitulation Nazi-Deutschlands vor den Siegerstaaten. Der Zweite
Weltkrieg geht am 9. Mai um 0.01 Uhr zumindest gegen Deutschland zu Ende.
13. Mai 1945
Nach Kriegsende wird die erste Buslinie wieder in Betrieb genommen: Linie T von
Onkel Toms Hütte nach Schönow
Am selben Tag verfügt Generaloberst Bersarin die Wiederaufnahme des U-Bahn- und Straßenbahnverkehrs in Berlin mit seinem Befehl Nr. 6. Außerdem werden erste Lebensmittelkarten ausgegeben.
Am selben Tag wird der Rundfunkbetrieb im weitgehend unzerstörten Funkhaus an der Masurenallee wieder aufgenommen. Anstatt des "Großdeutschen Rundfunks" hört man nun einen sowjetisch lizenzierten Rundfunk.
14. Mai 1945
Im Neuköllner Raum wird der U-Bahnverkehr wieder aufgenommen. Es handelt sich
zunächst lediglich um zwei kurze eingleisige Streckenabschnitte, die wieder
befahren werden können.
15. Mai 1945
Mit der sowjetisch lizenzierten "Täglichen Rundschau" erscheint in Berlin die erste
Tageszeitung nach Kriegsende.
17. Mai 1945
Der erste Nachkriegs-Magistrat nimmt seine Arbeit auf. Oberbürgermeister von
Berlin ist der pensionierte Regierungsbaubeamte Arthur Werner. Die Sowjets baten
ihn, die Amtsgeschäfte zu übernehmen.
Werners Aufgaben sind noch stark beschnitten, die wahren Machthaber sind die sowjetischen Besatzer unter Generaloberst Bersarin. Die Sowjets begannen nach Kriegsende unverzüglich mit der Demontage Berliner Industriebetriebe und mit dem Abtransport von Maschinen und Gütern.
20. Mai 1945
Drei Straßenbahnlinien nehmen wieder den Betrieb auf:
Linie 28: Tegel - Tegelort
Linie 128: Tegel - Heiligensee
Linie 87: Treptow - S-Bhf. Schöneweide
Es sind die ersten Straßenbahnlinien Berlins, die den Betrieb wieder aufnehmen können.
25. Mai 1945
Bereits drei Wochen nach Sprengung des S-Bahntunnels am Landwehrkanal wird mit
Aufräumarbeiten begonnen. Der Tunnel ist bis zu den Treppenabgängen auf den
Straßen vollständig überflutet.
31. Mai 1945
Die BVG nimmt auf der Havel wieder die Linienschifffahrt auf (Stößensee -
Kladow - Wannsee)
6. Juni 1945
Auf der Wannseebahn fahren erstmals nach Kriegsende in Berlin wieder
S-Bahnzüge: Sie verkehren von Wannsee bis Schöneberg. Es verkehrt nur ein
Zugpaar: Morgens und abends.
9. Juni 1945
In Karlshorst wird die Sowjetische Militäradministration (SMAD) eingerichtet.
9. Juni 1945
Am selben Tag wird zwischen Spandau und
Westkreuz der S-Bahnverkehr wieder aufgenommen. Wie auch auf der Wannseebahn
fahren die Züge nur sehr selten und sind entsprechend überfüllt.
10. Juni 1945
Die Sowjetische Militäradministration erlaubt
die Tätigkeit antifaschistisch-demokratischer Parteien und Organisationen.
16. Juni 1945
Durch einen Verkehrsunfall in Lichtenberg kommt Generaloberst Nicolaj Bersarin
ums Leben. Dieser Unfall fand der DDR-Legende nach an der Frankfurter Allee Ecke
Petersburger Straße statt, also am heutigen Frankfurter Tor. In Wahrheit
ereignete sich der Unfall auf der damaligen Straße der Befreiung, der heutigen
Straße Alt Friedrichsfelde.
18. Juni 1945
Zwischen Treptower Park und Papestraße fahren wieder S-Bahnen. Erstmals findet
somit ein Zugverkehr auf der Ringbahn statt, wenn auch nur auf einem kurzem
Abschnitt desselben.
26. Juni 1945
In Berlin wird die Christlich Demokratische Union (CDU) gegründet.
Juni 1945
Die Reichsbahn beginnt weisungsbedingt mit der Umspurung eines Streckengleises
zwischen dem Schlesischen Bahnhof und Potsdam auf russische Breitspur. Dieses
Gleis ist für Stalins Sonderzug gedacht. Im übrigen werden die zweiten Gleise
von Eisenbahnstrecken demontiert. Einzig die Strecke von Berlin nach Frankfurt
bleibt zweigleisig erhalten, da hier die meisten Reparationszüge verkehren.
Dafür wird in diesem Fall die komplette S-Bahnstrecke nach Erkner demontiert.
Juni 1945
Die BVG erhält in der Potsdamer Straße eine neue Heimat. Die nicht mehr
genutzte Reichsautobahn-Bauverwaltung, ein Gebäude aus dem Jahre 1940, steht für diese Zwecke künftig zur Verfügung. Dort
richtet die BVG eine neue Hauptverwaltung ein.
11. Juli 1945
Zahlreiche S-Bahnstrecken sind in den vergangenen Tagen wieder in Betrieb
genommen worden.
Folgende Strecken stehen an diesem Tage in Betrieb:
Wannsee - Schöneberg - Großgörschenstraße
Spandau - Charlottenburg
Wannsee - Westkreuz - Charlottenburg
Wilmersdorf - Papestraße - Neukölln - Treptower Park
Ostkreuz - Schönhauser Allee - Gesundbrunnen
Ostkreuz - Biesdorf
Hermannstraße - Neukölln - Baumschulenweg - Grünau
19. Juli 1945
Wiedereröffnung der S-Bahnstrecke Wilmersdorf - Halensee.
26. Juli 1945
Wiedereröffnung der S-Bahnstrecke Schöneweide - Spindlersfeld.
4. Juli 1945
Die Westalliierten kommen nach Berlin
Die Sowjets, die Berlin bislang alleine besetzt hielten, ziehen sich aus den westlichen Berliner Stadtbezirken zurück.
Dafür rücken die westlichen Streitkräfte ein. Die Amerikaner besetzen die
Stadtbezirke Neukölln, Tempelhof, Steglitz, Schöneberg, Kreuzberg und
Zehlendorf. Die Briten besetzen Tiergarten, Charlottenburg, Wilmersdorf, Spandau
und kommissarisch den Wedding und Reinickendorf. Der Rest der Stadt verbleibt in
sowjetischer Hand. Im Gegenzug ziehen sich die Westalliierten aus Teilen
Mitteldeutschlands zurück und überlassen diese Gebiete den sowjetischen
Besatzern. Diese Besatzungs-Neuordnung basiert auf den Londoner Beschlüssen von
1944.
Es konnte von niemanden verhindert werden, dass die Sowjets in den vergangenen Wochen seit der Kapitulation erhebliche Teile der Industrieanlagen in den späteren Westsektoren demontiert haben. Im Grunde genommen sind die Berliner aus den westlichen Stadtbezirken erleichtert. Sie hoffen, dass nun alles den Umständen entsprechend ein wenig leichter wird, nachdem die Russen abziehen werden.
11. Juli 1945
Mit Befehl Nr. 1 übernimmt die Interalliierte Militärkommandantur die Kontrolle über Groß-Berlin und teilt die Stadt
formell in vier Besatzungssektoren ein.
17. Juli -7. August 1945
Die "großen Drei" in Potsdam
Potsdamer Konferenz der 3 Kriegsalliierten unter Vorsitz von Stalin, Truman,
Churchill/Attlee; Regelung wichtiger Fragen zur Behandlung Nachkriegsdeutschlands und anderer vom Krieg betroffener Staaten in Europa durch das
Potsdamer Abkommen.
Potsdamer Abkommen, ein Stichwort:
Potsdamer Abkommen, übliche
Bezeichnung für das offizielle Schlussprotokoll der Potsdamer Konferenz vom 2.
August 1945 über Deutschland und seine Stellung in Europa nach dem 2.
Weltkrieg.
19. Juli 1945
Da der Nord-Süd-S-Bahn-Tunnel überflutet ist, wird eine oberirdische
Ersatzstrecke zwischen Humboldthain und dem Stettiner Vorortbahnhof
elektrifiziert und somit S-Bahn-tauglich gemacht.
4. August 1945
Frankreich tritt dem Potsdamer Abkommen nachträglich bei. So erklärt sich,
warum Berlin in diesen Tagen nur eine Drei-Sektoren-Stadt war.
6. August 1945
Ähnlich wie am Stettiner Bahnhof wird auch der Potsdamer Ringbahnhof für die
S-Bahn hergerichtet.
8. August 1945
Der Alliierte Kontrollrat als oberstes Regierungsorgan der Besatzungsmächte
wird gegründet. Er hat seinen Sitz im Kammergerichtsgebäude an der
Elßholzstraße in Schöneberg (Amerikanischer Sektor).
12. August 1945
Die Französischen Alliierten übernehmen wie in Potsdam abgesprochen von den
Briten die beiden Stadtbezirke Reinickendorf und Wedding.
In Berlin findet eine erste improvisierte Volkszählung statt. Hiernach leben an diesem Tag in den vier Berliner Sektoren 2,784 Millionen Menschen. Die letzte Zählung fand am 17. Mai 1939 statt. Damals waren es 4,332 Millionen Menschen, die in der Stadt lebten.
25. August 1945
Zwischen Charlottenburg und Zoologischer Garten wird der S-Bahnverkehr Richtung
Wannsee/Spandau aufgenommen. Somit ist die Zoogegend mit der S-Bahn wieder
erreichbar.
August 1945
Die Alliierten verfügen einen Gebietstausch im Westen der Stadt: Hiernach wird
der westliche Teil von Staaken mit einem Teil eines Flugplatzes an die
Sowjetzone abgegeben. Im Gegenzug kommt die Weinmeisterhöhe und einige
Ländereien mit einem Flugplatz bei Gatow zum Britischen Sektor von Berlin. Den
Franzosen wird außerdem bei Frohnau eine Fläche für einen Flugplatz in
Aussicht gestellt.
11. September 1945
Das Ausgehverbot wird etwas gelockert: Anstatt um 22 Uhr gilt die Sperrstunde
nun ab 23 Uhr und geht bereits um 5 Uhr zu Ende.
27. September 1945
Zunächst drei Mal wöchentlich erscheint der neu gegründete "Tagesspiegel"
als von den Westalliierten lizenzierte Tageszeitung.
1. Oktober 1945
Die Sowjetische Militär Administration (SMAD) ordnet die Aufnahme des Unterrichts an Berliner und ostzonalen Schulen an.
7. Oktober 1945
An der Charlottenburger Chaussee (heute: Straße des 17. Juni) entsteht
mit Baumaterialien der Neuen Reichskanzlei das Sowjetische Ehrenmal. Es befindet
sich unweit des Brandenburger Tores im Britischen Sektor.
24. Oktober 1945
Zwischen den Berliner Westsektoren und den westdeutschen Besatzungszonen wird
der Postverkehr aufgenommen.
Herbst 1945
Der S-Bahnhof Braunauer Straße (im Amerikanischen Sektor) wird in
"Sonnenallee" umbenannt.
15. November 1945
Mit Schließung der Lücke Schlesischer Bahnhof - Alexanderplatz steht die
gesamte Stadtbahn für den S-Bahnverkehr wieder zur Verfügung. Allerdings
wird noch in eingleisigen Pendelverkehren gefahren.
Weihnachten 1945
Um den Besuch der Gottesdienste am Heiligen Abend zu ermöglichen, wird die
Ausgangssperre in dieser Nacht erst um 2 Uhr wirksam. Normalerweise gilt nach
wie vor Ausgangssperre von 23 bis 5 Uhr.
Für die wenigen KFZ-Neuzulassungen wurde bisher
das seit 1906 übliche Berliner Kennzeichen "I A" ausgegeben. Ab
Jahreanfang 1946 gibt es bis auf weiteres nur noch folgende neue Kennzeichen in
Groß-Berlin:
"BG", "GM", "BM" und "GF".
14. Januar 1946
Baustadtrat Hans Scharoun gibt bekannt, dass in Berlin seit Kriegsende 12.000
Wohnungen instand gesetzt wurden und somit wieder bewohnbar sind.
29. Januar 1946
Die Berliner Universität wird wiedereröffnet.
31. Januar 1946
Wiedereröffnung der Nord-Süd-S-Bahn zwischen Humboldthain und Stettiner
Bahnhof. Hierbei handelt es sich um den leer gepumpten Tunnelbahnhof der Nordsüdbahn. Der weitere Streckenabschnitt Richtung
Anhalter S-Bahnhof ist aufgrund der zahlreichen Bauwerksschäden noch nicht
passierbar.
7. Februar 1946
Der "Drahtsender im Amerikanischen Sektor" nimmt den Sendebetrieb auf. Zu
empfangen war dieses "Kabelradio" zunächst nur, wenn man einen (auch
defekten) Telefonanschluss und einen Radioempfänger besaß und beides mit einem
Draht verband, gerade Strom hatte und im Amerikanischen Sektor von Berlin
wohnte. Der DIAS hatte anfänglich seinen Sitz im Fernmeldeamt W 35 an der
Winterfeldtstraße. Später wurde aus dem DIAS der bekannte RIAS von Berlin.
Da die großen Landesfunkhäuser in der sowjetischen Zone zerstört waren, überließen die Westmächte das Berliner Funkhaus an der Masurenallee (Britischer Sektor) den Sowjets. Man hatte die Hoffnung, dass der Berliner Rundfunk als zentrale Instanz Nachrichten in einer politisch neutralen Weltanschauung verbreiten würde. Dieser Gedankengang bewahrheitete sich aus Sicht des Westens leider nicht. Aus diesem Grunde wurde von den amerikanischen Besatzungsmächten eine eigene deutschsprachige Radiostation ins Leben gerufen.
8. Februar 1946
Der Vollring ist mit der S-Bahn wieder durchgehend befahrbar.
15. Februar 1946
Zum Preise von 6 RM bekommt man von diesem Tag an ein "Amtliches Berliner
Fernsprechbuch". Es ist die erste Ausgabe seit Kriegsende. Dieses
Fernsprechbuch verzeichnet die Teilnehmerdaten aller vier Sektoren Berlins.
16. Februar 1946
Zwischen Wannsee und Potsdam-Stadt wird der S-Bahnverkehr aufgenommen. Da die
Teltowkanalbrücke an der Stadtgrenze noch nicht gehoben ist, befinden sich vor
und hinter ihr hölzerne Notbahnsteige, so dass die Fahrgäste den Kanal zu Fuß
überqueren müssen.
16. Februar 1946
Die Belle-Alliance-Straße wird umbenannt in "Franz-Mehring-Straße"
(heute: Mehringdamm). Das Gleiche geschieht mit dem Belle-Alliance-Platz am
Halleschen Tor.
18. Februar 1946
Erstmals gibt es in Berlin wieder eine nächtliche Straßenbeleuchtung: 1000
Gaslaternen können wieder in Betrieb genommen werden.
25. Februar 1946
Zwischen Berlin und den vier Besatzungszonen Deutschlands wird der
Telefonverkehr aufgenommen.
26. Februar 1946
In Schöneberg wird das Amerikahaus eröffnet.
7. März 1946 ![]()
Im Ostsektor wird die "Freie Deutsche Jugend" (FDJ) gegründet,
Vorsitzender ist der junge Erich Honecker.
29. März 1946 ![]()
Reichsbahn nur noch mit Dampf
In der Ostzone wird der gesamte elektrische Fernbahnverkehr auf Dampfbetrieb
umgestellt. Sämtliche elektrische Anlagen wie Unterwerke, Oberleitungen und
Masten werden in der Folgezeit demontiert und abtransportiert. Alle verfügbaren
Elektroloks werden beschlagnahmt und ebenfalls in die Sowjetunion geschafft.
Berlin war zu diesem Zeitpunkt noch nicht an das elektrische Fernbahnnetz
angeschlossen, wodurch sich für Berlin nicht viel änderte. Erst ab 1952
erhielt die (Ost-) Deutsche Reichsbahn einige E-Loks zurück und konnte ab 1955
zwischen Halle und Köthen einen bescheidenen elektrischen Zugbetrieb aufnehmen,
der im Laufe der Jahre auf den Süden der DDR ausgedehnt wurde. Erst in den 80er
Jahren wurde auch Berlin an das elektrifizierte Fernbahnnetz der DR
angeschlossen. Ganz anders dagegen in den Westzonen: Dort wurde das Netz der
elektrischen Fernbahnen bereits in den 50er und 60er Jahren umfassend ausgebaut.
4. April 1946
Der Leiter der Abteilung für Bau und Wohnungswesen des Magistrats, Hans
Scharoun, legt einen Wiederaufbauplan für Berlin vor. Dieser Plan,
"Kollektivplan" genannt, orientiert sich an einem gitterförmigen
Schnellstraßenraster, an dem die Wohn- und Gewerbegebiete regelrecht
aufgehängt werden sollen.
9. April 1946
Die Technische Hochschule wird als "Technische Universität"
wiedereröffnet.
21./22. April 1946 ![]()
Im Admiralspalast findet der Vereinigungsparteitag von SPD und KPD zur
"Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED)" statt. Im Vorfeld
gab es in den Westberliner Kreisverbänden der SPD Urabstimmungen, die sich
eindeutig gegen die Verschmelzung mit der KPD aussprachen. Somit gab es in
Groß-Berlin neben der SED weiterhin eine SPD.
23. April 1946
Ohne vorherige Ankündigung werden 33 S-Bahn-Viertelzüge aus dem Verkehr
gezogen und als Reparation auf den Weg in den Osten geschickt.
25. April 1946
Teile des Tiergartens werden zu Gartenparzellen umgewandelt. Die
Lebensmittelversorgung ist derart angespannt, dass den britischen Alliierten
nichts anderes übrig blieb, als eine Selbstversorgung der Berliner mit neuen
Schrebergärten zu ermöglichen.
5. Mai 1946
Zwischen den Bahnhöfen Marienfelde und Lichtenrade wird der S-Bahnhof Buckower
Chaussee in Betrieb genommen. Es ist der erste Neubaubahnhof der Nachkriegszeit.
18. Mai 1946
Ohne Umsteigen ist es nun wieder möglich, den S-Bahn-Vollring zu nutzen.
31. Mai 1946
Durch Order der Alliierten Kommandatura gibt es trotz der ostzonalen Gründung
der SED (hervorgegangen aus SPD und KPD) in Groß-Berlin weiterhin die
SPD. Die SPD löste ihre Ostberliner Kreisbüros erst im Oktober
1961 auf. Im Gegenzug firmierte die SED seither in Westberlin als "SEW".
2. Juni 1946
Zwischen Anhalter Bahnhof und Friedrichstraße wird der unterirdische
S-Bahnverkehr wieder aufgenommen. Allerdings besteht am Anhalter Bahnhof noch
ein Umsteigezwang, da die Züge der Wannseebahn ab dem Fernbahnhof verkehren.
22. Juni 1946
Die Stadtbahn wird von der S-Bahn wieder zweigleisig ohne Umsteigezwang
befahren.
27. Juli 1946
Nachdem der Potsdamer Ringbahnhof geschlossen wurde, fahren die Wannseezüge der
S-Bahn wieder in den unterirdischen Anhalter S-Bahnhof. Der Bankierbetrieb
(Potsdamer Fernbahnhof - Zehlendorf - Wannsee) wurde übrigens nach Kriegsende
nicht wieder eingerichtet.
13. August 1946
Durch eine vorläufige Verfassung Berlins wird eine Regierung für die Stadt
gegründet.
22. August 1946 ![]()
Berlin im Aufbau
Im sowjetischen Sektor werden zeitgleich zwei Ausstellungen eröffnet:
Im Stadtschloss: BERLIN PLANT und
Unter den Linden: BERLIN IM AUFBAU.
Auf diesen beiden sich ergänzenden Ausstellungen soll aus Sicht der
Magistrats-Abteilungen für Volksbildung und Bau und Wohnungswesen gezeigt
werden, wie die deutsche Hauptstadt wieder aufgebaut werden kann. Beide
Ausstellungen werden aufgrund der hohen Besucherzahlen zwei Mal verlängert und
bleiben bis 15. Oktober geöffnet.
Die Stadt ist erheblich zerstört. Nach einem Jahr und drei Monaten seit Kriegsende konnte noch nicht viel passieren. An einigen Stellen werden lediglich Ruinen abgerissen, die für Passanten gefährlich werden konnten, ein Neubau aber findet weitgehend nicht statt. Nur hier und da können durch bauliche Eigenarbeiten Häuser behelfsmäßig wieder bewohnbar gemacht werden.
25. August 1946
Zwischen Berlin und Hannover wird eine Interzonenbus-Verbindung eingerichtet.
Für eine Fahrt benötigt der Bus etwa acht Stunden.
5. September 1946
Der DIAS wird in "Rundfunksender im Amerikanischen Sektor" (RIAS) umbenannt und ist stadtweit und darüber hinaus
über die Mittelwelle zu empfangen. "Hier
ist RIAS Berlin, eine freie Stimme der freien Welt!"
21. September 1946
Die Züge aus Richtung Rangsdorf über Yorckstraße fahren wieder zum
unterirdischen Anhalter Bahnhof und weiter bis Friedrichstraße.
1. Oktober 1946
Zwei S-Bahnhöfe werden umbenannt:
Deutschlandhalle in "Eichkamp" und Weißensee in "Greifswalder
Straße".
20. Oktober 1946
Erste und letzte freie Wahlen zur Stadtverordnetenversammlung in Groß-Berlin:
Wahlberechtigt sind die Berliner in allen vier Sektoren.
Die Ergebnisse dieser Stadtverordneten-Wahlen:
SPD 48,7 %, CDU 22,2 %, SED 19,8
%, LDP 9,3 %
Beteiligung: 92,3 % aller
Wahlberechtigten
29. Oktober 1946
Auf alliierte Anordnung findet in Berlin eine Volkszählung statt. Hier nach
leben in Berlin 3.170.832 Einwohner.
Auf den Ostsektor entfallen 1.170.297 Einwohner, auf den Westen folglich
2.000.535 Einwohner. Seit Kriegsbeginn hat die Einwohnerzahl um über eine
Million abgenommen.
1. November 1946
Bei der S-Bahn wird das 2-Klassensystem abgeschafft.
1. Dezember 1946
Bis 14. Juli 1947 ist der S-Bahnhof Unter den Linden geschlossen und wird ohne
Halt durchfahren
5. Dezember 1946
Otto Ostrowski wird von den Stadtverordneten zum Oberbürgermeister von Berlin
gewählt. Ostrowski löst Arthur Werner ab, der seit Kriegsende
Oberbürgermeister von Berlin war.
Dezember 1946
Ernst Reuter, der während der Nazizeit emigrieren musste, trifft aus der
Türkei kommend wieder in Berlin ein.
Kurz darauf bekleidete Reuter wieder im Auftrage der SPD das Magistratressort
für Verkehr, was er 1931 aufgab, als er nach Magdeburg ging und dort
Bürgermeister wurde. Den Magdeburger Bürgermeisterposten musste Reuter 1933
aufgeben, als er von den Nazis ins KZ gesteckt wurde.
Ende 1946
Seit am Jahresanfang 1946 das KFZ-Kennzeichen "I A" durch vier neue
Kennzeichen ersetzt wurde, werden nun zwei dieser neuen Kennzeichen nicht mehr
ausgegeben. Künftig wird nur noch "BG" und "GM" ausgegeben.
1946 ![]()
An den Sektorengrenzen werden mehrsprachige Schilder
aufgestellt, die auf diese Grenzen hinweisen.

1. Januar 1947
Die Britische und die Amerikanische Zone Deutschlands werden wirtschaftlich zur
so genannten "Bizone" zusammengefasst.
13. Februar 1947
In Berlin herrschen Kälte und Hunger!
Berlins Oberbürgermeister Ostrowski appelliert an die Besatzungsmächte, der
Not der Berliner Bevölkerung abzuhelfen. Am selben Tag bildet Louise Schröder
(SPD) ein Notkomitee für die Versorgung der Berliner Bevölkerung mit
Lebensmitteln.
25. Februar 1947
Der Staat "Preußen" wird durch ein Kontrollratsgesetz aufgelöst.
7. März 1947
Zwischen Mahlsdorf und Hoppegarten wird erstmalig der elektrische S-Bahnverkehr
aufgenommen.
12. März 1947
Im Rahmen der so genannten "Truman-Doktrin" soll der deutschen
Bevölkerung Hilfestellung beim Aufbau der Wirtschaft gewährt werden. Die
Truman-Doktrin führt zu einer Verschärfung des sich abzeichnenden "Kalten
Krieges" zwischen den westlichen Alliierten und den Sowjets. Leidtragende
hierbei werden die Berliner sein.
27. April 1947
Zwischen Halleschem Tor und Gleisdreieck wird der Hochbahnverkehr wieder
aufgenommen. Das gesamte U-Bahnnetz steht hiermit wieder in Betrieb.
8. Mai 1947
Nachdem die Stadtverordnetenversammlung gegen den Oberbürgermeister das Misstrauen aussprach, ist Otto
Ostrowski zurückgetreten. Louise Schröder (SPD) übernimmt bis zu den Wahlen
eines neuen Oberbürgermeisters die Amtsgeschäfte.
25. Mai 1947
Die Berliner Philharmoniker geben im Steglitzer Titania-Palast unter Wilhelm
Furtwängler ihr erstes Konzert nach dem Krieg.
3. Juni 1947
George C. Marshall entwickelt Vorstellungen über den wirtschaftlichen Aufbau
Europas nach dem Krieg.
24. Juni 1947
Reuter wird Oberbürgermeister - auf dem
Papier
Ernst Reuter wird von den Stadtverordneten zum neuen Oberbürgermeister von
Groß-Berlin gewählt, nachdem Ostrowski im Mai zurücktrat.
Da die Wahl von den Sowjets nicht anerkannt wird, kann Reuter sein Amt nicht
ausüben. Daher übernehmen Louise Schröder (SPD) und (während ihrer schweren
Krankheit) Ferdinand Friedensburg
(CDU) vorübergehend die Amtsgeschäfte bis zur Klärung der Verhältnisse.
31. Juli 1947
In Berlin werden viele Straßen umbenannt. Zum Teil sind die Umbenennungen schon
seit Mai 1945 erfolgt, werden nun aber formell wirksam. Vielfach gab es
weitergehende Umbenennungen, die aber zwischenzeitlich zurückgenommen wurden.
So sollte die Turmstraße in Moabit z. B. eigentlich in
"Ernst-Thälmann-Straße" umbenannt werden, was aber schließlich
nicht erfolgte. Hier eine Auswahl der wichtigsten Umbenennungen:
Adolf-Hitler-Platz > Reichskanzlerplatz
(Charlottenburg) sic!
Auguste-Viktoria-Platz > Breitscheidplatz (Charlottenburg)
Baltenplatz > Bersarinplatz (Friedrichshain)
Bergstraße u. Berliner Straße > Karl-Marx-Straße (Neukölln)
Böwedamm > Blaschkoallee (Britz)
Braunauer Straße > Sonnenallee (Neukölln)
Franz-Mehring-Straße u. –Platz > Mehringdamm und –platz (Kreuzberg)
Hermann-Göring-Straße > Friedrich-Ebert-Straße > Ebertstraße (Mitte/Tiergarten)
Großadmiaral-von-Koester-Ufer > Schöneberger Ufer (Tiergarten)
Horst-Wessel-Platz > Bülowplatz (Mitte)
Petersburger Straße > Bersarinstraße (Friedrichshain)
Reppichstraße > Dominicusstraße (Schöneberg)
Rudower Straße u. –Allee > Buschkrugallee
(Neukölln/Britz)
Saarlandstraße > Stesemannstraße (Mitte/Kreuzberg)
Skagerakplatz > Kemperplatz (Tiergarten)
Tempelhofer Straße > Dominicusstraße
(Schöneberg)
Tirpitzufer > Reichpietschufer (Tiergarten)
2. November 1947
Dieter Friede, Journalist der Westberliner Tageszeitung "Der
Abend", wird unter einem Vorwand in den Ostsektor gelockt und kehrt nicht
zurück. Es ist nicht der erste Fall, dass Personen auf ominöse Weise
verschwinden.
13. November 1947
Die Stadtverordneten sprechen Paul Markgraf das
Misstrauen aus. Ursache ist die SED-freundliche Arbeitsweise des
Polizeipräsidenten.
16. November 1947
![]()
Nordsüdbahn wieder in Betrieb
Die wichtige Nord-Süd-S-Bahn ist komplett und durchgehend wieder befahrbar. Die Tunnelstrecke
ist am 2. Mai 1945 am Landwehrkanal gesprengt worden und stand bis Ende 1945 vollständig unter Wasser.
Seit Juni 1946 erfolgte eine Wiedereröffnung in kurzen Abschnitten.
6. Dezember 1947 ![]()
Die SED lud zu einem "Ersten Deutschen Volkskongress" um eine
Volksabstimmung zu organisieren, die zum Ziel haben soll, die Deutsche Einheit
auf "demokratischen Wege" zu erreichen.
1947
Die 1945 verstorbene Bildhauerin und Arztgattin Käthe Kollwitz wird im
Stadtbild geehrt: Der Wörther Platz wird in Kollwitzplatz umbenannt. Die
Weißenburger Straße wird in Kollwitzstraße umbenannt. (beide Prenzlauer Berg)
Ende 1947
Die beiden seit 1946 ausgegebenen Kennzeichen "BG" und "GM"
laufen aus. Ab Jahresanfang 1948 wird nur noch das Kennzeichen "GB"
für Groß-Berlin in allen vier Sektoren ausgegeben.
5. Januar 1948 ![]()
Nachdem die komplette S-Bahnstrecke von Ostkreuz nach Erkner im Spätsommer 1945
demontiert wurde (Nur hier blieb dafür ein zweites Fernbahngleis in Betrieb),
wird der Zugverkehr wieder bis Köpenick auf neuen Gleisen aufgenommen.
14. Januar 1948 ![]()
Auf der Reichsautobahn zwischen Berlin und Helmstedt kommt es zu ersten
Repressalien, als die Sowjetische Militäradministration SMAD die
Durchfahrgenehmigungen (sog. "Propuski") für ungültig erklärt.
24. Januar 1948 ![]()
Ein Militärzug von Berlin nach Bielefeld wird in der Ostzone aufgehalten.
19. Februar 1948
Aufgrund einer Weisung des Französischen Stadtkommandanten Ganeval ist der
Vertrieb von Tageszeitungen aus dem Ostsektor ("Neues Deutschland",
"Tägliche Rundschau"...) im
Französischen Sektor untersagt. Die anderen Stadtkommandanten der Westsektoren
erteilen gleich lautende Weisungen.
Februar 1948
Für ein Brot müssen die Berliner derzeit zwischen 30 und 35 RM bezahlen.
18. März 1948 ![]()
Wilhelm Pieck wird zu einem der Vorsitzenden des Ersten deutschen Volksrats
gewählt. Aus dem Volksrat geht später die Volkskammer der DDR hervor.
20. März 1948
Aus Protest gegen die ersten Beschlüsse der Londoner 6-Mächte-Konferenz und
der Absicht der Westalliierten, in den Westzonen Deutschlands eine
verfassungsgebende Versammlung einzuberufen, verlassen die sowjetischen
Vertreter den Alliierten Kontrollrat als oberstes Regierungsgremium der
Besatzungsmächte Deutschlands.
Der Alliierte Kontrollrat, ein Stichwort...
Der A. K., im August 1945 von den Besatzungsmächten USA, Großbritannien, Frankreich und Sowjetunion eingerichtetes oberstes Regierungsorgan zur „Regelung der Deutschland als Ganzes betreffenden Fragen”. Die Einrichtung eines A. K. war bereits am 14. November 1944 im Londoner Kontrollabkommen beschlossen und am 5. Juni in der Berliner Viermächteerklärung konkretisiert worden. Der A. K. setzte sich aus den Oberbefehlshabern der vier Besatzungsmächte zusammen und hatte seinen Sitz im Kammergerichtsgebäude in der Schöneberger Elßholzstraße; seine Arbeit nahm er am 30. August 1945 auf. Die Zuständigkeit des A. K. erstreckte sich auf ganz Deutschland; er erließ Direktiven und Gesetze, Instruktionen und Befehle, die jeder der vier Oberbefehlshaber in seiner Besatzungszone nach eigenem Ermessen umsetzen konnte. Die Entscheidungen des A. K. mussten einstimmig getroffen werden; allerdings konnten sich die Mitglieder des Rates in grundlegenden Fragen selten auf gemeinsame Beschlüsse einigen. Angesichts der zunehmenden Konflikte zwischen Ost und West verließ der sowjetische Vertreter am 20. März 1948 den A. K., der daraufhin wegen der vierten fehlenden Stimme praktisch arbeitsunfähig war. Der Form halber wurden die sowjetischen Büros und die Plätze am Verhandlungstisch daraufhin stets frei gehalten. Erst mit der deutschen Wiedervereinigung im Oktober 1990 wurde der A.K. aufgelöst.
25. März 1948
Der amerikanische Stadtkommandant Howley verfügt die Bevorratung und
Einlagerung von Lebensmitteln für Westberliner für 30 Tage.
1. April 1948 ![]()
Bei Babelsberg errichten
die Sowjets Kontrollbaracken an der Autobahn, um den West-Berliner Verkehr nach
Westdeutschland zu kontrollieren.
2. April 1948 ![]()
Wegen "fehlender Frachtpapiere" unterbrechen die Sowjets für zwei
Tage die Versorgung Berlins aus den Westzonen. Sofort setzen die Amerikaner eine
"Kleine Luftbrücke" zur Versorgung in Gang.
4. April 1948 ![]()
Zwar geben die Sowjets die Verbindungen wieder frei, jedoch läuft der gesamte
Eisenbahnverkehr ausschließlich über Marienborn und Griebnitzsee. Die übrigen
Eisenbahnstrecken zwischen den Westzonen und Berlin können für direkte Fahrten
nicht mehr benutzt werden.
5. April 1948
Über Gatow stößt eine britische Maschine mit einem sowjetischen Düsenjäger
zusammen. Es gibt 14 Tote.
9. April 1948
Am Lehniner Platz in Wilmersdorf wird das "British Center" als
Deutsch-Britisches Kulturhaus eröffnet.
13. April 1948
General Lucius D. Clay erklärt in Frankfurt/M.: "Niemand kann uns aus Berlin
vertreiben!"
Die Amerikaner sind entschlossen, Berlin notfalls auch militärisch gegen die
Sowjets zu verteidigen. Für die Amerikaner wäre der Verlust West-Berlins weit
mehr als nur der Verlust einer (halben) Stadt. Aus den Alliierten werden Schutzmächte...
16. April 1948 ![]()
Der Vertrieb Westberliner Zeitungen wird im Ostsektor und der Ostzone untersagt.
22. April 1948
Die Stadtverordneten nehmen eine neue Verfassung für Groß-Berlin an. Da der
Alliierte Kontrollrat wegen der fehlenden Sowjetseite arbeitsunfähig ist, kann
die neue Verfassung nicht genehmigt werden.
23. April 1948 ![]()
Mit Ausnahme des Militärzugverkehrs wird der zivile Zugverkehr in die Westzonen
unterbrochen.
30. April 1948 ![]()
Die Erkner-Strecke der S-Bahn ist wieder bis Friedrichshagen befahrbar, anstatt
nur bis Köpenick.
6. Juni 1948
Der RIAS bezieht sein neues Funkhaus an der Kufsteiner Straße in Schöneberg.
15. Juni 1948
Zwischen Zehlendorf und Düppel wird auf der alten Stammbahn der elektrische
S-Bahnverkehr aufgenommen. Die Strecke befindet sich komplett in den Berliner
Westsektoren.
Systematisch erweitert die DR ihre S-Bahnstrecken in den Berliner Westsektoren
bis an die Stadtgrenzen und darüber hinaus. Der Pendlerverkehr aus dem Umland
lässt sich mit der S-Bahn auf den Grenzbahnhöfen besser kontrollieren. Die
übrigen Vorortzüge werden an diesen S-Bahnhöfen ausgesetzt, bzw. in den
Ostsektor umgeleitet. Dieser Umstellungsprozess wird erst 1952 abgeschlossen.
17. Juni 1948
Der Königsplatz (vor dem Reichstag) wird in "Platz der Republik"
umbenannt.
20. Juni 1948
Neue Währung in den Westzonen - nicht in
Berlin
Die West-Alliierten führen in den westdeutschen Besatzungszonen eine
Währungsreform durch. Die neue "Deutsche Mark" löst dort die alte
entwertete Reichsmark im Verhältnis 10:1 ab. Nur das so genannte
"Kopfgeld", 60 DM, kann 1:1 getauscht werden. In Berlin ist die neue Währung
nicht gültig. Dort, wie auch in der Ostzone, gilt einstweilen weiterhin die
alte Reichsmark.
23. Juni 1948 ![]()
Währungsreform in Berlin
Eilig veranlassen die Sowjets in der Ostzone ebenfalls eine Währungsreform um
die Ostwanderung der alten Reichsmark zu verhindern. Da noch keine neuen Noten
ausgegeben werden können, müssen die alten Noten mit einer Marke beklebt
werden. Die Berliner haben für diese "Tapetenmark" nur Hohn und Spott
übrig. Die Sowjets erklären die
Ostmark auch in Groß-Berlin und somit auch in den Westsektoren der Stadt für
gültig. Die Sowjets begründen dies mit der wirtschaftlichen
Zusammengehörigkeit der Westsektoren mit der Ostzone. Auch im Osten erfolgt die
Umwertung 10:1 mit einem Kopfgeld-Anteil von 70 "Deutsche Mark der
Deutschen Notenbank" im
Verhältnis 1:1.
24. Juni 1948
Zwei Währungen in den Westsektoren
Die West-Alliierten führen in den Westsektoren nun eine eigene Währungsreform
durch: Die neue West-Mark ist auch in Berlin gültig, sofern die Berliner Noten
mit einem "B" gekennzeichnet sind. Die B-Kennzeichnung geschieht mit
Rücksicht auf den Alliiertenstatus der Stadt. Im Ostsektor dagegen ist der
Besitz der West-Mark verboten. In den Westsektoren hingegen haben nun beide neue
Währungen bis auf weiteres Gültigkeit. Die B-Kennzeichnung der Berliner
Banknoten wurde bis Ende 1953 beibehalten.
Die Folgen
Zwei Währungen in einem Wirtschaftsgebiet. Noch dazu zwei Währungen, wie sie
unterschiedlicher kaum sein können. Unternehmen und Betriebe in den
Westsektoren sind offiziell verpflichtet, beide Währungen zum gleichen Kurs zu
akzeptieren. Doch stellte sich schnell heraus, dass viele Unternehmer die
Annahme von Ostgeld verweigerten oder einen satten Aufschlag erwarteten, so dass
sich sehr bald eine Verschiebung des Kurses abzeichnete. Hierdurch war ein
Nährboden für den in den Westzonen Deutschlands ausgestorbenen Schwarzmarkt
geschaffen worden: am Bahnhof Zoo zum Beispiel wurde schwunghafter Handel mit
den stets sich ändernden Kursen der beiden Währungen betrieben. Schon sehr
bald bekam man für eine Westmark vier bis sechs Ostmark. Leidtragende hierbei
waren die städtischen Betriebe, die, vom Magistrat angewiesen, beide Währungen
zum gleichen Kurs zu akzeptieren hatten, so auch die BVG: Sie hatte demzufolge
nur noch Ostgeldeinnahmen, musste aber Rechnungen westdeutscher Unternehmen in
Westmark begleichen und kam hierdurch in schwere finanzielle Schwierigkeiten...
Interessant am Rande: Die Deutsche Reichsbahn, die auch in den Berliner Westsektoren den S-Bahnbetrieb durchführte, akzeptierte aus ideologischen Gründen ausschließlich Ostgeld: Die Ostzone und ihre hoheitlichen Dienststellen wollten mit der von ihnen so genannten "B-Mark" ("Spaltermark") nichts zu tun haben!
![]()
Blockade: Die
Westsektoren sind abgeriegelt!
Am selben Tag wird zunächst die Autobahn von Berlin nach Helmstedt/Marienborn
(Hannover) wegen "Technischer Schwierigkeiten" gesperrt. Im Laufe des
Tages werden aus selben Grunde auch alle anderen Verbindungswege, sowohl
Straßen als auch Eisenbahnen, nach
Westdeutschland abgeriegelt.
Am 29. Juni erfolgte zusätzlich auch die Sperrung
der Wasserwege nach Westdeutschland. Berlin ist abgeriegelt!
Der Osten beruft sich auf den bestehenden Viermächte-Status Berlins und damit auch auf die Westsektoren der Stadt. Im östlichen Verständnis ist die Einführung der westzonalen "Spaltermark" von den Westalliierten illegal verfügt worden. Nun dringt der Osten auf die Abschaffung der "Separatwährung" oder besser noch auf den Abzug der westlichen Schutzmächte aus Berlin. Um dies zu erpressen, wurde die Blockade der Verbindungswege nach den Westzonen verfügt. Doch die westlichen Schutzmächte reagierten prompt...
25. Juni 1948
"Operation
Vittles" angelaufen: Berlin wird aus der Luft versorgt!
Die Alliierten nehmen die Versorgung Berlins über eine "Luftbrücke" auf. Zunächst noch
improvisiert fliegen Transportflugzeuge zwischen Westdeutschland und
Berlin-Tempelhof hin und her.
26. Juni 1948
Die "Berliner Luftbrücke"
steht!
In Gatow landet das erste Versorgungsflugzeug. Die Luftbrücke zur Versorgung
Berlins nimmt Formen an.
West-Berlin besitzt mit Tempelhof und Gatow zwei Flugplätze. Hier landen im
90-Sekundentakt die aus den Westzonen kommenden Flugzeuge. An Bord: Lebensmittel
und Kohlen für 2,1 Millionen Berliner. Laut alliierten Vereinbarungen
existieren drei Luftkorridore über der Ostzone: Über den nördlichen Korridor
(Hamburg/Fassberg)
und südlichen (Frankfurt) fliegen die Maschinen nach Berlin und über den
mittleren Korridor fliegen sie leer oder mit Berliner Wirtschaftsgütern zurück
Richtung Hannover. Schon bald tragen die Berliner Exportgüter das Gütesiegel
"Made in blockaded Berlin". Dies allerdings hindert viele Unternehmen
nicht daran, ihren Verwaltungssitz in die Deutschen Westzonen zu verlegen und in
Berlin nur noch Zweigwerke zu unterhalten. Der eingeschlossenen Stadt wird keine
wirtschaftliche Zukunft prognostiziert.
Was eigentlich noch schlimmer ist: Die westdeutschen Unternehmen sind wegen der in Berlin schwierigen Situation sehr zurückhaltend mit der Vergabe von Aufträgen in die eingeschlossene Stadt. Dies wiederum führt zu einer sehr hohen Arbeitslosigkeit in der Stadt. Auch die Stadt selbst kann (abgesehen von den Luftbrücken-Flügen) auf Hilfe von außen kaum hoffen, wodurch zum Beispiel die Bauwirtschaft noch keine nennenswerten Arbeiten ausführen kann. Das Stadtbild ist nach wie vor noch von Trümmerlandschaften geprägt.
Kundgebung bei Hertha in Gesundbrunnen
Die Berliner SPD ruft zu einer Kundgebung auf dem Hertha-Sportplatz am
Gesundbrunnen auf: 70.000 Berliner kamen. Hauptredner Ernst Reuter betont, dass
die sowjetischen Repressalien Ausdruck zweier politischer Gegner seien, die hier
in Berlin auf dem Rücken der friedlichen Bürger dieser Stadt ausgetragen
werden sollen. Franz Neumann, SPD-Landesvorsitzender, appelliert an das Ausland,
Freiheit und Überleben der Berliner aktiv zu unterstützen. Die Luft brennt...
30. Juni 1948
Die West-Berliner Personalausweise verlieren ihre Gültigkeit, wenn sie kein
"B" tragen.
Hintergrund: Die West-Berliner, die ihre Reichsmark gegen die neue Westmark
eingetauscht haben, bekamen ein "B" in den Ausweis gestempelt, damit
sie nicht mehrmals ihr Kopfgeld holen konnten. Dieses "B" aber konnte
bei Besuchen im Ostsektor zu Repressalien führen, da für die Kontrollorgane
des Ostens damit klar war, dass sich der Besitzer des Ausweises beim Umtausch
mit Westgeld versorgt hat. Um diese Offenbahrung zu verhindern, waren alle
West-Berliner verpflichtet worden, sich diesen Stempel abzuholen.
4. Juli 1948
Zwischen Berlin und Hamburg wird der zivile Flugverkehr aufgenommen. Die Tickets
werden gegen britisches Pfund verkauft. Den Briten fehlt noch das Vertrauen in
die junge westdeutsche Währung, die sich später als eine der härtesten der
Welt erweisen sollte.
5. Juli 1948
Erstmalig landet ein Wasserflugzeug auf dem Wannsee. Es bringt Lebensmittel aus
Hamburg.
20. Juli 1948 ![]()
Die Sowjets machen den Westberlinern das Angebot, sie direkt zu versorgen.
"Kein Westberliner braucht sich um sein Wohlergehen Sorgen machen..."
24. Juli 1948
Die mit Kupons beklebten Reichsmarknoten des Ostens werden durch neue
druckfrische Noten der "Deutschen Notenbank" ersetzt (siehe 23. Juni
1948). In den Berliner Westsektoren gelten neben den mit einem "B"
gekennzeichneten Banknoten der "Bank Deutscher Länder" (Westmark)
auch die Noten der "Deutschen Notenbank" (Ostmark). Die Einfuhr von
Westmark in den Ostsektor (dort als "B-Mark" tituliert) und der Besitz dort ist seitens des Ostens verboten.
26. Juli 1948
Der Magistrat erklärt Polizeipräsident Markgraf für abgesetzt. Nachfolger ist
Johannes Stumm, der sein Amt zunächst aber nur in den Westsektoren ausüben kann.
Faktisch gibt es in Berlin nun zwei Arten von Polizei: Im Westen die
"Stumm-Polizei" und im Osten die "Markgraf-Polizei". Es ist
der Beginn der Spaltung der Berliner Kommunalverwaltung.
29. Juli 1948
Etwa 19.000 Westberliner beziehen ihre Lebensmittel aus dem Ostsektor und machen
somit vom Versorgungsangebot des Ostens Gebrauch. Das entspricht einem Prozent
der West-Berliner Bevölkerung. Es galt in der Bevölkerung als regelrechter
"Verrat an der Sache", wenn man sich seine Lebensmittel aus dem Osten
holte.
2. August 1948
Im Britischen Sektor gibt es erste lizenzierte Wechselstuben. Der Kurs am ersten Tag: 1 DM
West = 2,20 DM Ost
Diese Wechselstuben legalisierten den Geldumtausch. Hiermit sollte der
Schwarzmarkt ausgehungert werden.
5. August 1948
Im Tegeler Forst (Französischer Sektor) beginnen die Bauarbeiten für einen neuen
Flugplatz für die Luftbrücken-Flugzeuge. Der dortige Schießplatz wird dafür
geopfert.
7. August 1948
Tagesrekord! Nach Berlin werden 4254 Tonnen Lebensmittel, Kohle und andere
Güter eingeflogen. Und das in 24 Stunden! Die Luftbrücke kostet 250.000 US-$
pro Tag. Berlin hat nur die Entladungskosten zu tragen. Arbeitslose waren in der
Bevölkerung hoch angesehen, wenn sie sich zum Flugzeug Entladen in Tempelhof
meldeten. Es gab gutes Geld und eine Mahlzeit für die schwere Arbeit.
12. August 1948 ![]()
Der letzte Vertreter der sowjetischen Seite verlässt das Kontrollratsgebäude.
Die Vier-Mächte-Verwaltung Berlins ist nicht mehr existent.
26. August 1948 ![]()
Vor dem Neuen Stadthaus kommt es zu
Tumulten. Es kommt zur gewaltsamen Unterbrechung der tagenden Stadtverordnetenversammlung. Otto Suhr fordert eine Bannmeile um das Stadthaus,
was aber von den Sowjets abgelehnt wird. Das Neue Stadthaus befindet sich in der
Parocialstraße im Ost-Sektor. Marggraf-Polizisten, die für Ruhe und Ordnung
sorgen könnten, sind weit und breit nicht zu sehen. Stumm-Polizisten aus dem
Westen hingegen dürfen nicht eingreifen.
An den Kiosken in den Westsektoren erscheint ein neues Satire-Magazin: "Der Insulaner" (Das gleichnamige Funkkabarett gab es damals noch nicht).
1. September 1948
Der elektrische S-Bahnverkehr wird erstmals zwischen Hoppegarten und Fredersdorf
aufgenommen.
Wieder in Betrieb ist der Abschnitt Friedrichshagen - Rahnsdorf der
Erkner-Strecke.
5. September 1948
In den Westsektoren werden praktisch keine Ost-Zeitungen mehr verkauft.
6. September 1948 ![]()
Schwere Tumulte im Stadthaus
Erneut kommt es vor und im Neuen Stadthaus zu Tumulten. Otto Suhr bricht die
Stadtverordnetenversammlung nach wenigen Minuten ab und beruft die
Fortsetzung der Sitzung in die Technische Universität in Charlottenburg ein.
SED-Stadtverordnete verweigern die Teilnahme an diesem Umzug in die
Westsektoren. Abends um 19 Uhr eröffnete Suhr die Stadtverordnetenversammlung
in der Mensa.
Die Berliner sind beunruhigt. Was bringt die Zukunft? Ziehen die Alliierten ab? In der Stadt wimmelt es von Gerüchten!
9. September 1948
Reuters Rede "an die Völker der
Welt"
"Berliner! Wenn Ihr Eure Stadt liebt, dann versammelt euch sofort auf dem
Platz der Republik vor dem ehemaligen Reichstagsgebäude! Es geht um
Berlin!"
In Windeseile sprach sich dieser Aufruf von den RIAS-Lautsprecherwagen in
der ganzen Stadt herum, auch im Osten.
... und die Berliner kamen! 350.000 Bürgerinnen und Bürger aus der ganzen
Stadt, aus allen Sektoren versammelten sich zu dieser größten Kundgebung, die es je im
Nachkriegsberlin gegeben hat. Es sprachen Berliner Persönlichkeiten, unter
ihnen Ernst Reuter:
"(...) Ihr Völker der Welt! Ihr Völker in Amerika, in England, in Frankreich, in Italien: Schaut auf diese Stadt! Und erkennt, dass ihr diese Stadt und dieses Volk nicht preisgeben dürft, nicht preisgeben könnt. Es gibt nur eine Möglichkeit für uns alle, so lange zusammenzustehen, bis dieser Kampf gewonnen, bis dieser Kampf endlich durch den Sieg über die Feinde, durch den Sieg über die Macht der Finsternis besiegelt ist. Das Volk von Berlin hat gesprochen! Wir haben unsere Pflicht getan, und wir werden unsere Pflicht weiter tun. Völker der Welt! Tut auch ihr eure Pflicht! (...) Völker der Welt! Schaut auf Berlin! Und Volk von Berlin! Sei dessen gewiss: Diesen Kampf, den wollen, diesen Kampf, den werden wir gewinnen!"
Ernst Reuter: Die gesamte Rede
Franz Neumann sprach:
[...] Berliner! Wenn die Stunde es wieder verlangt, dann werden wir euch wieder
aufrufen! Heute stehen wir von der Charlottenburger Chaussee bis zu Kroll. Das
nächste Mal werden wir von der Siegessäule bis zum Alex stehen!
Eine Abordnung unter Franz Neumanns Leitung brachte nach der Kundgebung ein Memorandum zu den Vorkommnissen der letzten Tage im Ostsektor zum Alliierten Kontrollrat. Die Menge zerstreute sich wieder. Doch plötzlich fielen Schüsse! Es kam zu blutigen Zwischenfällen Unter den Linden im Ostsektor zwischen abwandernden Kundgebungsteilnehmern und Markgraf-Polizisten. Die Situation spitzte sich zu, als Demonstranten die Rote Fahne vom Brandenburger Tor holten. Bei den Auseinandersetzungen, die bis in die Abendstunden gingen, gab es Tote und Verletzte.
30. September 1948
Kohle muss weiter und schärfer kontingentiert werden. 40 % der
Straßenbeleuchtung sind abgeschaltet.
6. Oktober 1948
Es wird ein kalter Winter!
Die westlichen Schutzmächte geben die Stadtwälder zur Rodung für Feuerholz
frei.
Und nicht nur die Wälder! Auch jeder zweite Straßenbaum sei zu fällen. Die
Ostpresse streut Salz in die Wunden: Die "Tägliche Rundschau" meldet:
"Kahlschlag in Westberlin - Ein Verbrechen!"
17. Oktober 1948
Notopfer Berlin
Lohn und Gehaltsempfänger in den Westzonen Deutschlands müssen je 100 DM Einkommen 60 Pfg. bis 1,20 DM je Monat abführen. Jede Postsendung
innerhalb der Westzonen muss mit
einer 2-Pfennig-Marke "Notopfer Berlin" versehen werden. Das Geld soll
der West-Berliner Wirtschaft zu gute kommen.
20. Oktober 1948
Die Straßenbeleuchtung in den Westsektoren wird vollständig abgeschaltet.
"Wenn es dunkel wird in Berlin, dann ist für zweieinhalb Millionen
Menschen wirklich Nacht!"
23. Oktober 1948
Richtfest! In Ruhleben wird das neue Kraftwerk-West (heute "Kraftwerk
Reuter") fertig gestellt. Es wurde im Sommer 1945 von den Sowjets komplett
demontiert. Die Anlage wurde über die Luftbrücke eingeflogen! Zum Jahresende
kann die Stromproduktion aufgenommen werden. Hierdurch kann mit
Luftbrücken-Kohle die Stromversorgung der Westsektoren sichergestellt werden.
26. Oktober 1948 ![]()
Der private Paketverkehr in der Ostzone wird erheblich eingeschränkt.
Am selben Tag wird die Neukölln-Mittenwalder Eisenbahn (NME) an der Stadtgrenze bei Rudow unterbrochen.
30. Oktober 1948
Der Kurs in den Westberliner Wechselstuben beträgt 1 DM-West = 4,15 DM-Ost
31. Oktober 1948
Zwischen Fredersdorf und Strausberg wird der elektrische S-Bahnverkehr
aufgenommen.
2. November 1948 ![]()
S-Bahn fährt wieder nach Erkner
Nach Monaten des Wiederaufbaus und der abschnittsweisen Inbetriebnahme wurde nun
das letzte Stück, Rahnsdorf - Erkner, wieder an das S-Bahnnetz angeschlossen.
5. November 1948
Flugplatz Tegel fertig gestellt
In Tegel landet das erste Luftbrückenflugzeug. Die Landebahn wurde in 92 Tagen
gebaut!
9. November 1948 ![]()
Entlang der Grenze zu den Westsektoren errichten die Sowjets rund 70
Kontrollstellen. Mit ihnen soll der private und gewerbliche Warenverkehr in die
Westsektoren unterbunden werden.
15. November 1948 ![]()
"Der kluge West-Berliner kauft in
der HO"
Einrichtung der ersten "Freien Läden" im Ostsektor. In den Läden der
"Handelsorganisation", kurz: "HO", kann man Waren und
Güter des täglichen Bedarfs ohne Vorlage von Lebensmittelkarten kaufen. Dafür
aber sind die Preise im Vergleich zu den sonstigen Verkaufsstellen, etwa der
Konsum-Läden, extrem hoch. Erst 1958 wurden in der DDR die letzten
Lebensmittelkarten aus dem Verkehr gezogen. Erschwinglich sind HO-Waren
eigentlich nur für Westberliner, die ihre D-Mark zuvor in einer der vielen
Westberliner Wechselstuben in Ostmark umgetauscht haben.
Hintergrund der Einrichtung der HO ist natürlich die angespannte
Versorgungssituation in den Westsektoren und die geringe Resonanz auf das
Versorgungsangebot der Sowjets vom 20. Juli. In den HO-Läden brauchten sich
West-Berliner nicht ausweisen und konnten unkompliziert alles Nötige
bekommen.
22. November 1948
In Spandau nimmt eine Fabrik die Produktion von "Brenda-Heizplatten"
auf. Diese bestehen aus Sägespäne, Kohlenstaub und Teer. Die stark qualmenden
Brenda-Platten waren ähnlich unbeliebt wie die eingeflogenen
Würfel-Kartoffeln, die man stundenlang in Wasser aufweichen musste und dennoch
nach nichts geschmeckt haben.
27. November 1948
Heftige Explosion in Tegel
Auf Weisung des französischen Stadtkommandanten Ganeval werden die Sendetürme des "Berliner Rundfunks"
gesprengt. Weder offiziell noch inoffiziell waren Anwohner oder der Magistrat
über diesen Vorgang informiert worden. Die Türme störten die Flugsicherheit um den neuen Tegeler Flugplatz, der
für die Luftbrücke im Betrieb ist, so die Franzosen. Der "Berliner Rundfunk" ist ein ostzonaler
Sender mit Sitz im sowjetisch besetzten Funkhaus an der Westberliner
Masurenallee. Der Stadtkommandant des Ostsektors, Kotikow, protestierte heftig gegen
diesen "ungeheuerlichen" Vorgang. Er fragte seinen französischen Amtskollegen,
wie er so etwas habe machen können. Ganeval antwortete kühl: "Mit
Dynamit, mon General..."
Diese Maßnahme löste wenig später die "Stolpe-Krise" aus...
30. November 1948 ![]()
In der Staatsoper konstituiert sich unter Leitung SED der Ost-Magistrat neu.
Vorsitzender ist Friedrich Ebert, der Sohn des einstigen Reichspräsidenten. Der
Ost-Magistrat, vom Westen als "Opern-Magistrat" tituliert, betrachtet
sich als den einzigen rechtmäßigen Magistrat von Groß-Berlin. Eine der ersten
Forderungen des Ost-Magistrats war natürlich die Auflösung des aus ihrer Sicht
illegalen "Reuter-Magistrats".
4. Dezember 1948
Im Steglitzer Titania-Palast wird die "Freie Universität Berlin"
gegründet. Sie entsteht aus abgewanderten Dozenten und Studenten der ostsktorialen Humboldt-Universität.
Selber Tag:
In einer Belegschaftsversammlung der BEWAG wird beschlossen, dass der
Ost-Magistrat nicht als Dienstherr des Eigenbetriebes anerkannt wird. Außerdem
wird der Umzug der Hauptverwaltung von der Luisenstraße im Ostsektor zum
Reichpietschufer in den Westsektoren beschlossen.
5. Dezember 1948
Wahlen zur Stadtverordnetenversammlung in den Westsektoren. Die Ergebnisse:
SPD: 64,5 % (Letztwahlen: 48,7), CDU: 19,4 %
(22,2), LDP: 16,1
% (9,3)
(Anm: Die Klammerangaben beziehen sich auf die Gesamt-Berliner Ergebnisse von
1946)
Es war ein kurzer aber heftiger Wahlkampf. Die Wahlbeteiligung lag bei 86 %.
Vom Osten wurde diese Wahl als "Spalterwahl" tituliert und die
Berliner wurden durch die Ostpresse aufgerufen, der Wahl fern zu bleiben. Die
SED, die nicht zur Wahl antrat, nutzte jede Möglichkeit, diese Wahlen zu
stören. Um durch die SED gesteuerte Ausschreitungen zu verhindern, war die
(westliche) Stumm-Polizei in höchste Alarmbereitschaft versetzt.
Auch hier wurde zielgerichtet vom Osten agitiert:
"In Berlins Wohnungen ist
es kalt. Ihr alle wisst, wen Ihr das zu verdanken habt: Suhr und Friedensburg.
Sie beide erhielten gestern aus Armeebeständen eine Sonderzuteilung Kohlen von
je zwei Tonnen. Suhr und Friedensburg brauchen nicht zu frieren!"
Die
Westberliner kümmerte das Gerede des Ostens wenig.
16. Dezember 1948
Beim "Berliner Rundfunk", dem ostzonalen Sender in der Westberliner
Masurenallee, herrscht Funkstille!
Die West-BEWAG hat dem Sender den Strom abgestellt. Es dauerte einige Tage, bis
der "Zonensender" mit Notstrom wieder senden konnte...
20. Dezember 1948
Die Stolpe-Krise
Stolpe ist ein kleines Dorf nördlich von Berlin-Frohnau und gehörte somit
eigentlich nicht zum Stadtgebiet. Nun gab es allerdings eine Vereinbarung
zwischen den Sowjets und den Franzosen, dass dieses Dorf und die umliegenden
Ländereien dem Französischen Sektor Berlins überlassen werden, damit die
Franzosen in ihrem Sektor einen Flugplatz errichten können. Dieser Flugplatz
sollte somit nun in Stolpe entstehen. Die Franzosen aber, Stadtkommandant
Ganeval wohnte in Frohnau, wollten neben ihren Villen keine Landebahn und so
bauten sie die Landebahn im Tegeler Forst rein "zufällig" neben den
sowjetischen Sendetürmen des Berliner Rundfunks.
Die Franzosen haben vor einigen Wochen eben diese Sendetürme gesprengt, weil
sie die Flugsicherheit vorgeblich störten. Die Sowjets nun waren der
Auffassung, dass die Franzosen auf das zugesagte Dorf Stolpe nicht angewiesen
wären und lösten einseitig diese aus dem Spätsommer 1945 stammende Abmachung
zum Jahreswechsel 1948/49. Stillschweigend nahmen die Franzosen die Aufhebung
dieser Abmachung zur Kenntnis, wobei die Sowjets nicht wie zugesagt erst Neujahr
in Stolpe einmarschierten sondern bereits vor Weihnachten das Dorf besetzten.
Das war zuviel! Nun kam es zu einer Besprechung zwischen Ganeval und dem
sowjetischen Amtskollegen Kotikow, es ging um die Freizügigkeit der Bürger von
Berlin-Stolpe. Kotikow sagte zu, dass die Bürger die Wahl hätten, in Stope zu
bleiben oder in die Berliner Westsektoren überzusiedeln. Es ist nur von einer
Familie bekannt geworden, dass von dem Umzugsangebot Gebrauch gemacht wurde. Ab
1. Januar 1949 wurde Stolpe von Berlin ausgegliedert und der Ostzone
zugeschlagen.
25. Dezember 1948
Der Insulaner verliert die Ruhe nicht...
Eine Berliner Ballade
Auf den Funkwellen des RIAS hören die Berliner erstmals den "Club der
Insulaner", eine Kabarettgruppe um Günter Neumann, die sich bissig mit
Alltäglichem im Nachkriegsberlin befasst. Der "Insulaner" entwickelte
sich binnen kürzester Zeit zu einem echten Straßenfeger! Die Berliner lachten
in dieser schweren Zeit über "Herrn Kummer", der mit "Pollowetzer"
telefoniert, die "Klatschdamen
vom Kurfürstendamm", die sich zufällig an einer Straßenbahn-Haltestelle
treffend über die Berliner Prominenz lustig machten und natürlich über Walter Gross, den "Jenossen
Funzjonär", der auf seinen "Schulungs-Abenden" ständig von "Professor Quatschnie" wieder auf
Parteilinie gebracht werden muss. Über 130 Sendungen folgten bis in
die 60er Jahre. Das Printmagazin "Insulaner", erstmals im August '48
erschienen, stellt sein Erscheinen ein.
Vor wenigen Tagen feierte ein Film in den Berliner Kinos Premiere, dessen Buch ebenfalls von Günter Neumann stammt: Die "Berliner Ballade". Hauptrolle spielt Gerd Fröbe, der (1948 noch sehr schlank!) als "Otto Normalverbraucher" aus dem Krieg heimkehrt und seine Stadt und vor allem den Alltag nicht wieder erkennt.
1948
Für die Gegend um den Zoo wird ein
städtebaulicher Wettbewerb ausgerufen. Ziel ist der verkehrsgerechte
Wiederaufbau dieses erheblich zerstörten Areals mit Hochstraßen wobei das alte
Straßenraster nicht erhalten werden soll.
3. Januar 1949
Der West-Berliner Magistrat richtet in Düppel das erste Lager für Flüchtlinge
aus der Ostzone und dem Ostsektor ein.
14. Januar 1949
Stadtverordneten tagen in Schöneberg
Erstmals tagt die Stadtverordneten-Versammlung im Schöneberger Rathaus, nachdem
sie seit September 1948 provisorisch in der Mensa der Technischen Universität
zusammentraf. Das Schöneberger Rathaus ist zum künftigen Regierungssitz für
die Westsektoren gewählt worden. Auf dieser ersten Sitzung nach den Wahlen vom
5. Dezember wird Ernst Reuter
erneut zum Oberbürgermeister Berlins gewählt. Aufgrund der politischen Verhältnisse
ist er de facto nur der Oberbürgermeister West-Berlins, braucht sich nun aber
nicht mehr vertreten zu lassen, da er selbstverständlich von den westlichen Schutzmächten
anerkannt ist. Auf die östlichen Einsprüche gegen Reuters Wahl wird nun keine
Rücksicht mehr genommen. Reuter genoss über (fast) alle Parteigrenzen hinweg und auch in
der Gesamt-Berliner Bevölkerung höchstes Ansehen, seine Rede vom September
"an die Völker der Welt" ist unvergessen.
20. Januar 1949 ![]()
Im Ostsektor tritt der so genannte "Ständige Ausschuss" zusammen, der
die Funktion der Stadtverordnetenversammlung im Ostsektor übernimmt. Berlin
verfügt somit über zwei Stadtverordnetenversammlungen.
1. Februar 1949
Die LDP darf sich nun FDP nennen.
4. Februar 1949
Das Berliner Kammergericht verlegt seinen Sitz von Mitte nach Moabit in die
Westsektoren.
5. Februar 1949
Die Westalliierten beginnen mit der "Gegen-Blockade". Westliche
Wirtschaftsgüter dürfen nicht mehr in die Ostzone. Dies trifft die
Sowjetzonen-Wirtschaft empfindlich, sie ist zum Beispiel auf die
Stahllieferungen aus dem Ruhrgebiet angewiesen.
Februar 1949 ![]()
Am Wilhelmplatz wird mit den Abrissarbeiten der Neuen Reichskanzlei begonnen.
Bereits 1948 wurde der "Führerbunker" in der Voßstraße beseitigt,
wobei Reste erhalten blieben.
11. März 1949
Westmark alleiniges Zahlungsmittel in den
Westsektoren
Die Ostzonale D-Mark wird in den Westsektoren von den westlichen
Stadtkommandanten für ungültig erklärt. Bislang waren beide Währungen,
DM-West und DM-Ost, im Westteil der Stadt offizielles Zahlungsmittel. Somit ist die
westliche D-Mark in den Berliner Westsektoren alleingültiges Zahlungsmittel.
Die Westberliner Wirtschaft atmet auf, da nun die strittige Währungsfrage
geklärt ist, um die es im Vorfeld heftige Gerüchte gegeben hat, was zu einer
allgemeinen Verunsicherung führte. Erst jetzt kann sich auch die Westberliner
Wirtschaft von den Kriegsfolgen erholen, auch wenn die Versorgungswege von und
nach Westdeutschland blockadebedingt noch unterbrochen sind.
Die Folgen:
Die Reichsbahn zum Beispiel bestand bislang im S-Bahnverkehr aus ideologischen
Gründen bei der Fahrgeldentrichtung auf Ostgeld, ist nun aber in den
Westsektoren gezwungen Westgeld zu akzeptieren. Die BVG dagegen ist erleichtert,
denn sie bezieht über die Luftbrücke Güter und Ersatzteile aus den Westzonen,
die gegen DM-West zu bezahlen waren. Da aber die Berliner die BVG zumeist nur
gegen die billigere Ostmark benutzten, war die BVG in erhebliche
Zahlungsschwierigkeiten geraten. Für sie also war die Klärung der
Währungsfrage eine große Erleichterung.
Die BVG ist gezwungen, aufgrund der Währungsgrenze an den Sektorengrenzen einen Schaffnerwechsel einzuführen. Weiterhin fahren Straßenbahnen über die Grenze.
14. März 1949 ![]()
Die ostzonale Post sperrt 89 Telefonleitungen von Berlin in die Ostzone.
16. März 1949 ![]()
Entlang der Sektorengrenze werden von östlicher Seite Straßensperren
errichtet.
Am selben Tag wird die Aufforstung des Tiergartens mit 250.000 eingeflogenen Bäumen beschlossen. Der Tiergarten ist völlig gerodet.
Am selben Tag nimmt der "Deutsche Volksrat" die "Deutsche Verfassung" an. Es ist die Verfassung der späteren DDR.
26. März 1949
Die Berliner Wasserbetriebe und die städtische GASAG richten im Osten eigene
Ost-Verwaltungen ein.
Am Folgetag nahm die GASAG eine neue Hauptverwaltung in Charlottenburg in
Betrieb. Außerdem wurden die Gasleitungen in den Osten, wo dies möglich war,
unterbrochen.
1. April 1949 ![]()
Der in Potsdam gelegene S-Bahnhof Babelsberg-Ufastadt wird umbenannt in "Griebnitzsee".
Schweres Unwetter in Berlin: Durch Ruineneinstürze kommen 14 Menschen ums
Leben.
24. April 1949 ![]()
Der Osten verlautbart die Möglichkeit der Aufhebung der Blockade.
April 1949
Die BVG richtet erstmals nach dem Krieg wieder so genannte
"Dreiecks-Linien" im Ausflugsverkehr ein.
8. Mai 1949 ![]()
Zum Jahrestag der "Befreiung" wird das Ehrenmal für die im Kriege
gefallenen sowjetischen Soldaten im Treptower Park eingeweiht. Hier wurde Marmor
aus der Reichskanzlei verwendet, die derzeit abgerissen wird.
12. Mai 1949 ![]()
Blockade beendet!
An den Grenzübergängen gehen die Schlagbäume hoch.
Dennoch wird die Luftbrücke weiterhin aufrecht erhalten.
Berlin war in den vergangenen Monaten keineswegs völlig abgeschnürt. Es gab
durchaus Transport-Möglichkeiten von und nach Westdeutschland, doch waren sie
nicht offiziell. Und selbstverständlich reichten sie nicht aus, um die Stadt zu
versorgen. Mit dem Ende der Blockade werden nicht nur die Verbindungswege nach
Westdeutschland freigegeben, sondern auch die Verbindungen in den Ostsektor: Im
Laufe der Monate hat die Ostzonen-Verwaltung nahezu alle Straßenverbindungen in
den Ostsektor geschlossen, sie werden nun wieder geöffnet. Die Ost-BEWAG nimmt
die Stromversorgung der Westsektoren wieder auf. Die Beschränkungen bei der BVG
sind auch aufgehoben.
14. Mai 1949
Die Westlichen Alliierten verkünden das so genannte "Kleine
Besatzungsstatut". Es regelt die Verbindungen und Befugnisse der Alliierten
in Berlin vor dem Hintergrund einer Deutschen Zivilverwaltung.
21. Mai 1949
Die in West-Berlin lebenden Reichsbahner streiken. Sie müssen ihre
Lebenshaltungskosten in West-Mark bezahlen, bekommen ihren Lohn aber noch immer
ausschließlich in Ost-Mark.
22. Mai 1949 ![]()
Die Ost-BEWAG nimmt nach dem Ende der Blockade die Stromlieferung in die
Westsektoren wieder auf.
23. Mai 1949
West-Berlin ist (k)ein Bundesland
Die drei Westzonen werden zusammengefasst zur "Bundesrepublik
Deutschland"
Bundeskanzler ist Konrad Adenauer, Bundespräsident ist Theodor Heuss.
Die Westsektoren Berlins gehören lt. Grundgesetz der Bundesrepublik zum
Bundesgebiet. Das Grundgesetz tritt mit Ablauf des Tages in Kraft. In Sichtweise
der Alliierten ist Berlin nicht Bestandteil der Bundesrepublik, sondern ein Rest
nicht mehr existierendes Deutsches Reich. Im Sinne der Ostzone ist West-Berlin
ein Bestandteil der Ostzone, weil es in der Ostzone liegt.
GG Artikel 23.:
"[Geltungsbereich des Grundgesetzes]
Dieses Grundgesetz gilt zunächst im Gebiete der Länder Baden, Bayern, Bremen,
Groß-Berlin, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen,
Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein, Württemberg-Baden und
Württemberg-Hohenzollern. In anderen Teilen Deutschlands ist es nach deren
Beitritt in Kraft zu setzen."
Mai 1949
Der Platz vor dem Hauptgebäude des Tempelhofer Flughafens, bisher namenlos,
erhält den Namen "Platz der Luftbrücke"
1. Juni 1949
Die BVG schafft sämtliche 3-stellige Straßenbahnlinien ab und bezeichnet sie
mit 2-stelligen Liniennummern.
Selber Tag:
Die Kronprinzenallee in Dahlem wird in "Clayallee" umbenannt. Der
Militärgouverneur Lucius D. Clay war Hauptorganisator der Berliner Luftbrücke.
Es ist einer der seltenen Fälle in der West-Berliner Nachkriegszeit, dass eine
noch lebende Person mit einem Straßennamen bedacht wird.
18. Juni 1949 ![]()
Die Nationalgalerie wird wiedereröffnet.
28. Juni 1949 ![]()
Entgegen der ursprünglichen Zusage entlässt die Reichsbahn zahlreiche
Mitarbeiter oder versetzt sie an Ostdeutsche Dienststellen. Der Reichsbahnstreik
geht zu Ende.
20. Juli 1949
Der RIAS nimmt in Britz einen neuen leistungsfähigen Mittelwellensender in
Betrieb. Mit Hilfe dieses Senders kann der RIAS in der fast ganzen Ostzone
empfangen werden. RIAS sah seinen Sendeauftrag auch in der Aufklärung im
westlichen Sinne in der Ostzone, sehr zum Verdruss der Sowjets. Legendär sind
solche Sendungen wie "Berlin spricht zur Zone" oder "Aus der Zone
- Für die Zone". 1950 kam ein Sender im fränkischen Hof hinzu, um auch
Thüringen zu erreichen. Doch die spätere DDR antwortete mit Störsendern...
1. August 1949
Die BVG richtet eine weitgehend unabhängige Ost-Verwaltung für den östlichen
Betriebsteil ein. Die Hauptverwaltung bleibt in der West-Berliner Potsdamer
Straße bestehen.
Die Teilung der städtischen Eigenbetriebe ist die folgerichtige Konsequenz aus
der Teilung der Berliner Kommunalverwaltung. Die Dienstherren dieser Betriebe
waren seit September 1948 faktisch beide Berliner Magistrate in Ost und West mit
ihren jeweiligen gegensätzlichen Interessen, was zu Problemen in grundlegenden
Fragen der Unternehmensführung (insbesondere der Personalpolitik) führen
musste. Die BVG war nach BEWAG, Wasserbetriebe, BSR, GASAG und weiteren
Versorgern der letzte Dienstleister, der noch eine gemeinsame Verwaltung für
alle Sektoren besaß.
31. August 1949
Die Berliner Straße in Tempelhof wird in Tempelhofer Damm umbenannt, die
Chausseestraße in Mariendorf wird in Mariendorfer Damm umbenannt.
30. September 1949
Die Luftbrücke zur Versorgung der Berliner Westsektoren wird beendet.
7. Oktober 1949 ![]()
Die Deutsche Demokratische Republik wird gegründet!
Die Ostzone wird zu einem eigenständigen Staat formiert. Der Deutsche Volksrat
konstituiert sich als Provisorische Volkskammer der DDR. Außerdem wird die
Verfassung der DDR in Kraft gesetzt und der Sowjetische Sektor Berlins zur
"Hauptstadt" des neuen Staates erklärt.
Staatspräsident der DDR ist Wilhelm Pieck, Ministerpräsident Otto Grotewohl.
Vorsitzender des ZK der SED ist Walter Ulbricht.
Auferstanden aus Ruinen und der Zukunft
zugewandt,
danach lasst uns alle streben, Deutschland einig Vaterland.
(Nationalhymne, 1. Strophe, Text:
Johannes R. Becher)
8. Oktober 1949
Vor dem Schöneberger Rathaus demonstrieren Berliner gegen die Gründung der DDR
als zweiten Deutschen Staat.
31. Oktober 1949
Bundespräsident Theodor Heuss spricht vor 200.000 Berlinern auf dem Rudolph-Wilde-Platz vor dem Schöneberger Rathaus.
30. November 1949
Der Wilhelmplatz in Mitte wird in "Thälmannplatz" umbenannt.
1. Dezember 1949
Das neue Kraftwerk West geht in Betrieb. Die BEWAG beteuert, West-Berlin
unabhängig mit Strom zu versorgen. Man sei auf Stromlieferungen des Ostens
nicht angewiesen.
21. Dezember 1949 ![]()
Die Große Frankfurter Straße und die Frankfurter Allee wird in
"Stalinallee" umbenannt. Stalin wird 70 Jahre alt.
Ebenso erfolgt die Umbenennung des gleichnamigen U- und S-Bahnhofs in
"Stalinallee".
Dezember 1949
Bereits in den ersten Monaten des Bestehens der DDR flüchteten über 59.000
DDR-Bürger nach Westdeutschland oder West-Berlin.
|
Westberliner, achtet
bei eurer Fahrt Warnt
ortsunkundige oder Ostzone. |
Schilder dieser Art befanden sich an den Eingängen diverser S-Bahnhöfe West-Berlins und wurden vom Senat aufgestellt.