Berlins U-Bahnstrecken


Die U6 verbindet in Nord-Süd-Richtung Tegel mit Mariendorf, berührt hierbei den Wedding, das Östliche Zentrum, Kreuzberg und Tempelhof. Die Linie ist 20 Kilometer lang und hat 29 Bahnhöfe. Sie war 1923 die erste Linie, die von der Stadt Berlin als so genannte Großprofillinie gebaut wurde.


Der Tempelhofer Abzweig
der Nord-Süd-Bahn
Tempelhof (Südring) - Platz der Luftbrücke



Am
14.Februar 1926 wurde der erste Abschnitt dieser Strecke in Betrieb genommen, nachdem der Bau im September 1924 begonnen wurde: Er reichte vom Umsteigebahnhof Belle-Alliance-Straße (heute Mehringdamm) bis zum damals neuen Bahnhof Kreuzberg (später Flughafen, heute Platz der Luftbrücke). Insgesamt weist die Strecke eine längere Steigungsstrecke vom Mehringdamm aus auf. Noch dazu gab es am Mehringdamm das Problem, dass das Gleis Richtung Seestraße die Neuköllner Gleise unterqueren musste. Zunächst hatte die Strecke am Bahnhof Kreuzberg ihr Ende gefunden. Schon damals aber war es beschlossen, dass diese Strecke Richtung Tempelhof weiter geführt werden sollte. Eine Besonderheit ist, dass die hinter dem Bahnhof Kreuzberg befindliche Kehrgleisanlage über vier Gleise stützenfrei angelegt wurde. 


Ausschnitt aus der Verkehrskarte der Berliner Straßenbahn-Betriebs-G.m.b.H. von Sommer 1927 
(Letztmalig herausgegebener Vorfahre des BVG-Liniennetzes)
Dargestellt der erste Abschnitt des Tempelhofer Zweigs bis "Kreuzberg"

Am 10. September 1927 wurde die Strecke um einen Bahnhof bis zum Flughafen erweitert. Dieser Bahnhof heißt seit 1937 Paradestraße. 

1929 gab es eine weitere Fortsetzung: Nach Tempelhof. Doch dazu später mehr.

Der frühen Abschnitte des Tempelhofer Abzweigs in einem gemeinsamen Linienplan der Berliner Verkehrsgesellschaften
Stand: Mai 1928


Die Bahnhöfe:

 U-Bhf Platz der Luftbrücke 

 

Kreuzberg

Dieser Bahnhof wurde geländebedingt recht tief angelegt und verfügt daher über eine hohe geräumige Bahnsteighalle von 121 Metern Länge. Man brach also hier die 80-Meter-Norm für Bahnsteiglängen, wie schon am Hermannplatz, um den großzügigen Raumeindruck zu unterstreichen. Noch dazu ist die Halle sehr übersichtlich, da ihr die Mittelstützen fehlen. Dies ist möglich, da die Hallendecke aus einem Gewölbe mit tief eingeschnittenen Kassetten besteht. Dadurch wirkt die Halle insgesamt sehr plastisch. Die Wände erhielten eine Verkleidung mit Kaltglasurfliesen in grau. Farbakzente setzen die Randriemchen in Schwarz. Beiderseits befinden sich in Zwischengeschossen geräumige Vorhallen. 

Der Bahnhof wurde mit dem Namen "Kreuzberg" eröffnet, 1937 wurde er in "Flughafen" umbenannt, 1975 erhielt er seinen heutigen Namen. Kürzlich wurde der Bahnhof renoviert. Hierbei offenbarten sich die alten Stationsschilder mit dem Namen Kreuzberg. Zwei Schilder wurden hinter Glas konserviert.

Als flüchtiger Beobachter mag dem U-Bahnnutzer irritieren, dass es hier einen Bahnhof namens "Kreuzberg" gab, denn mit dem Stadtteil, zu dem dieser Bahnhof zwar gehört, verbindet man doch eher die Gegend um das Kottbusser Tor. Es sei hier aber darauf hingewiesen, dass mit dem Kreuzberg die höchste natürliche Erhebung des Stadtteils gemeint war und ist, die sich in der Nähe dieses Bahnhofs befindet.


U-Bhf. Platz der Luftbrücke
Bild: www.untergrundbahn.de


U-Bhf. Platz der Luftbrücke


U-Bhf. Platz der Luftbrücke, in den 20er Jahren noch mit dem Namen "Kreuzberg"


Wiederentdecktes historisches Namensschild von 1926, hinter Glas konserviert


Südliche Vorhalle mit gebogenen Gang unter dem Tempelhofer Damm hindurch


Südliche Vorhalle


U-Bhf. Platz der Luftbrücke, Eingang in 1956 veränderter Form


U-Bhf. Platz der Luftbrücke mit historischem Nord-Zugang von 1926

 U-Bhf Paradestraße 

 

Flughafen

Ein flacher Bahnhof mit ursprünglich 80 Meter langen und rd. 10 Meter breiten Mittelbahnsteig. Die Breite des Bahnsteiges ist damit begründet, dass von diesem Bahnhof aus der damalige Flughafen direkt erreicht werden konnte. Das Empfangsgebäude des Flughafens stünde, wenn es noch existieren würde, mitten auf dem Rollfeld des heutigen Flughafens Tempelhof. Dem alten Flughafen ist auch der Zugang angepasst: nicht weniger als vier über die gesamte Bahnsteiglänge verteilte Treppen führten in die großzügige Vorhalle. Von Hier aus führten Augänge zum Tempelhofer Flughafen, also nach Osten und zusätzlich zwei längere Gänge auf die Westseite des Tempelhofer Damms. Nachdem der Flugbetrieb hier eingestellt wurde, wurde auch diese Vorhalle erheblich verkleinert: Es blieb nur noch der Raum zwischen den beiden mittleren Bahnsteigtreppen übrig. Ebenso wurden alle östlichen Zugänge geschlossen. Es blieben nur noch die beiden längeren Gänge als Zugang übrig. Der verschlosse Raum der Vorhalle wird heute von der BVG intern genutzt. Viele Jahre gab und möglicherweise gibt es hier noch den Schießstand der Schützengilde der BVG.

In den frühen Neunziger Jahren wurde die südliche der erhaltenen Bahnsteigtreppen auch noch geschlossen und abgerissen. An seine Stelle trat ein Aufzug, der direkt zur Straßenebene durchführt. Somit verfügt dieser Bahnhof heute nur noch über eine einzige Zugangstreppe. nach den Brandschutzdiskussionen der letzten Jahre soll dieser Bahnhof auch wieder einen zweiten Ausgang erhalten. derzeit aber ist noch offen, wie das Land Berlin das Tempelhofer Flugfeld künftig nutzen wird. Aus diesem Grunde hat die BVG den Umbau bislang noch nicht angegangen, um die Entwicklung abzuwarten. Wie bekannt, soll der Tempelhofer Flughafen in den nächsten Jahren geschlossen werden.

Eröffnet wurde der Bahnhof mit dem Namen "Flughafen", 1937 erhielt er seinen heutigen Namen.

Um 1992 erhielt der Bahnhof eine neue Fliesenverkleidung: Die Wände wurden mit weißen Fliesen versehen, in die farbige Muster eingebettet sind. Die Farben entsprechen den Linienfarben der Berliner U-Bahn.


U-Bhf. Paradestraße
Bild: www.untergrundbahn.de


U-Bhf. Paradestraße, einer der farbenfroheren Bahnhöfe der U6

 


Die Erweiterung nach Tempelhof

Mit dem Baubeginn des Tempelhofer Abzweiges zum Bahnhof Kreuzberg im Jahre 1924 war im Grunde schon klar, dass diese Strecke irgendwann bis zum Südringbahnhof Tempelhof und darüber hinaus erweitert wird. 1927 wurde der Bau unter dem Tempelhofer Damm begonnen um dieses Reststück zu vollenden. Am 22. Dezember 1929 wurde diese knapp 950 Meter lange Strecke fertig. Sie besteht aus nur einem Bahnhof: Dem Bahnhof Tempelhof (Südring) und der sich anschließenden Kehrgleisanlage.

Die Erweiterung nach Tempelhof (Südring) in einem Netzplan der BVG
Stand: März 1932

Tempelhof
(Südring)

 

Dieser Bahnhof galt zum Zeitpunkt der Eröffnung als Revolution: Er bot einen direkten Übergang zur S-Bahn. Man kann also vom Bahnsteig der U-Bahn durch die nördliche Vorhalle und einer weiteren Treppe direkt in die Vorhalle des S-Bahnhofs gelangen - so etwas hat es bislang nicht gegeben! Der U-Bahnhof besteht aus einem Mittelbahnsteig mit einer sehr geräumigen hohen Halle. Die Stahlstützen, die die Flachdecke tragen, wirken sehr schlank. Zu beiden Seiten wurden in Zwischengeschossen Vorhallen eingerichtet, die galerieartig mit der Bahnsteighalle verbunden sind. Die Wände wurden mit zitrogelben quadratischen Fliesen verkleidet. Grenander hat in diesem Bahnhof auf jede Art von Verzierungen verzichtet, er entwickelte die Architektur dieses Bahnhofes aus der Konstruktion heraus. So kann dieser Bahnhof als Markstein unter den U-Bahnhöfen von Grenander angesehen werden. Tatsächlich sollten wenig später Bahnhöfe entstehen, die diesen Bahnhof als Vorbild hatten.

Ende 1985 wurde die Bahnsteighalle renoviert. Die Decke hatte starke Wasserschäden aufzuweisen. Um die Schäden zu kaschieren, wurde eine Rigipsdecke eingehängt. Aus dieser Zeit stammt auch das Schachbrett-artige Muster an der Decke.

Kaum bekannt ist, dass der Name des Bahnhofs geändert wurde: Offiziell hieß und heißt der Bahnhof "Tempelhof (Südring)" womit auf die Ringbahn hingewiesen wird. 1961 entschloss sich die BVG aus politischen Gründen auf den Ringbahn-Hinweis zu verzichten und hat den Zusatz "Südring" getilgt. Erst 1992 wurde der Zusatz wieder gültig.


U-Bhf. Tempelhof (Südring)
Bild: www.untergrundbahn.de


U-Bhf. Tempelhof (Südring) 
Züge der Bauart D/DL waren viele Jahrzehnte auf der U6 heimisch.
Bild: www.untergrundbahn.de


An den helleren Fliesenfeldern kann man heute noch erkennen, dass dort oben die Werbung früher hing


Die Original-Decke hatte Wasserschäden. daher entschloss sich die BVG zu einer abgehängten Decke, die sie farbig gestaltete.


Die offenen Galerien an beiden Bahnsteig-Enden

Um 1938 wurde mit dem Bau einiger Streckenabschnitte für die U-Bahn begonnen. Einer dieser neuen Abschnitte befindet sich unter dem Tempelhofer Damm und schließt südlich der Kehrgleisanlage an. Sein Bau wurde um 1941 abgebrochen, der Tunnel war rohbaufertig bis fast zum heutigen U-Bhf Alt-Tempelhof. 

Im Juli 1945 gab es hier einen schweren Brand, als ein in der Kehranlage abgestellter U-Bahnzug Feuer fing. Alle hier abgestellten Züge, durchweg Tunneleulen, wurden ein Raub der Flammen. Die Schäden müssen so groß gewesen sein, dass bis Februar 1946 zwischen Mehringdamm und Tempelhof kein Zug mehr fuhr.

Die Linie C II

Die Strecke wurde in den ersten Jahrzehnten als Zweigstrecke der Nord-Süd-Bahn betrieben, so dass die Züge von Kreuzberg und später von Tempelhof bis Seestraße fuhren. Zeitweise fuhren die Züge nur bis Belle-Alliance-Straße und stellten dort lediglich einen Anschluss-Übergang zu den Zügen von Neukölln nach Seestraße her. Ab etwa 1928 wurde diese Zuggruppe als Linie C II bezeichnet. Wie bereits erwähnt ereignete sich am 29. Juli 1945 in Tempelhof ein Großbrand, bei dem die Tunnelanlagen litten, weshalb und auch wegen Wagenmangel der Zugverkehr zwischen Tempelhof und Flughafen (Platz der Luftbrücke) eingestellt werden musste. Am 15. September wurde die Strecke komplett stillgelegt, was wiederum mit der Wagen-Knappheit zusammen hing: Die BVG hatte Reparationen an die Sowjets zu erbringen. Erst am 1. Februar 1946 wurde der Zugverkehr komplett wieder aufgenommen. Allerdings fuhren die Züge nur bis Belle-Alliance-Straße bzw. Franz-Mehring-Straße. 

Ab Juli 1948 hingegen fuhren die Züge weiter bis zum Stettiner Bahnhof in den Ostsektoren. Im Januar 1953 wurde die Linie wieder am Mehringdamm beendet, um im November 1956 wieder bis zur Seestraße verlängert zu werden, allerdings nur in der Hauptverkehrszeit. Am Stettiner Bahnhof endeten nun keine Züge mehr. Ab Mai 1958 gab es sogar Zugfahrten ab und bis Tegel. So blieb der Einsatzzustand bis 26. Februar 1966. Wegen Gleisbauarbeiten am Mehringdamm ruhte der Verkehr auf dieser Linie wieder für zwei Tage, um dann am 28. Februar 1966 als Linie 6 neu eröffnet zu werden. Nun fuhren die Züge von Alt-Mariendorf bis nach Tegel durch. Bei diesem Einsatzzustand blieb es bis heute. Seit 1984 nennt sie die Linie 6 U6.

Zum Einsatz kamen in der Vorkriegszeit vermutlich ausschließlich Züge der Bauarten B I und B II, also die Tunneleulen und deren Nachfolger. In den Nachkriegsjahren waren hier auch Trieb- und Steuerwagen-Traktionen der Bauart B II anzutreffen. Hier drehte der D-55er Prototyp 1956 seine ersten Fahrgastrunden. Die alten B-Züge waren hier bis Mai 1969 noch im Einsatz und wurden erst ab März 1966 allmählich von D- und DL-Zügen abgelöst. 

S-Bahnhof Tempelhof
bei Stadtschnellbahn-Berlin.de

 

Weiterfahrt auf der Mariendorfer U-Bahn
Weiterfahrt auf der Nord-Süd-Bahn zur Seestraße

Streckendaten lt. BVG-Bauabteilung Erklärung

Mehringdamm  
  992 m
Platz der Luftbrücke 108,7 +78
  852 m
Paradestraße 109,6 +30
  951 m
Tempelhof (Südring) 110,5 +81
  489 m
Alt-Tempelhof  

Bezeichnung: Strecke C
Gebaut: 1924-29

Gesamtlänge Mehringdamm - Tempelhof (Südring): 2,795 km


Alt-Mariendorf - Alt-Tegel

Weitere Abschnitte dieser Linie:

U6: Mariendorfer Strecke - Tempelhofer Abzweig - Nord-Süd-Bahn - Müllerstraßen-U-Bahn - Tegeler Strecke

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