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Berliner UntergrundbahnSeit 1902 unter der Stadt

Die 30er Jahre

Chronik

Verkehrs- und Stadtchronik 1930-1939

Die 1930er Jahre

1930

  1. 2. Januar 1930

    Neue Verkehrstarife
    Die BVG war gezwungen ihre Tarife zu erhöhen: Eine einfache Fahrt kostete seither 25 Pfennige.

  2. 18. April 1930

    U-Bahn nach Gesundbrunnen: Die GN-Bahn ist fertig!
    Fertiggestellt wurde die Linie D auf dem gesamten Nordabschnitt.
    Er umfasst die Bahnhöfe:
    Jannowitzbrücke, Alexanderplatz, Weinmeisterstraße, Rosenthaler Platz, Bernauer Straße, Voltastraße, Gesundbrunnen.

    Linie D seither:

    Linie DLeinestraße – Hermannplatz – Neanderstr. – Alex – Gesundbrunnen

    Die GN-Bahn

    Netzplan von April 1930 (mit der nun fertigen GN-Bahn-Linie D)

    Die 30er Jahre

    1930 Wagenpark Großprofil
    Für die damals noch im Bau befindliche Linie E werden weitere U-Bahnwagen beschafft.
    Es handelt sich hierbei um eine überarbeitete Form der C-Wagen, die zusammengefasst als C-III bezeichnet werden.

  3. 29. Juni 1930

    Eröffnung der U-Bahn nach Pankow
    Diese Strecke schließt am Hochbahnhof Nordring (heute Schönhsr.Allee) an.
    Neu ist der unterirdische Bahnhof „ Pankow (Vinetastraße) “

    Die Linie A I ab dem 29. Juni 1930:

    Linie A IPankow – Nordring – Alex – Bismarckstraße – Wilhelmplatz
    Linie A IBismarckstraße – Stadion (unabhängiger Zugumlauf)
    Linie A IStadion – Ruhleben (Pendelverkehr)

    Die Linie A nach Pankow

    1930 Wagenpark Großprofil
    Die C-I-Versuchswagen
    Die BVG erhielt 3 Versuchswagen der 18-Meter-Bauart C.

  4. 1. September 1930

    Am 18. April wurde im Zuge der GN-Bahn der Bahnhof Gesundbrunnen eröffnet. Dieser Bahnhof war zu dem Zeitpunkt noch eine Baustelle. Die beiden Zugänge am Nord- und Südende konnten erst zum 1. Juli bzw. 1. September eröffnet werden. Bestandteil dieser Zugänge sind die nunmehr längsten Rolltreppen Berlins, mit denen man den rund 18 Meter unter Geländeniveau gelegenen Bahnsteig der U-Bahn erreichen kann. Zugleich wurde der bemerkenswerte Eingangspavillon auf dem Behmplatz seiner Bestimmung übergeben.

    Eingangspavillon U-Bhf. Gesundbrunnen
    Eingangspavillon U-Bhf. Gesundbrunnen

    (aus: U-Bahnhöfe der Klassischen Moderne)

  5. 21. Dezember 1930

    Neue U-Bahnlinie in der Frankfurter Allee eröffnet!
    Mit der Linie E nach Friedrichsfelde
    Streckenerweiterungen
    An diesem Tage wurde das Streckennetz umfangreich erweitert:

    Die Linie C I wurde von Bergstraße bis über Neukölln (Südring) bis Grenzallee erweitert.

    Außerdem wurde drei Monate vor dem ursprünglich geplanten Eröffnungstermin die komplette Linie E fertiggestellt.

    Die Strecken im Einzelnen:

    Die Linie C-I wird im Neuköllner Raum vom Bahnhof Bergstraße bis zur Grenzallee verlängert. Neu sind die Bahnhöfe Neukölln und Grenzallee. Hinter letztgenannten befindet sich ein Rampenbauwerk, das am Sieversufer den Tunnel verlässt. Dort war für spätere Zeiten eine Betriebswerkstatt vorgesehen.

    Die Linie C-I seither:

    Linie C ISeestraße – Belle-Alliance-Str. – Hermannplatz – Bergstraße – Grenzallee

    Näheres zur Linie C-I

    Bei der anderen an diesem Tage eröffneten Linie handelt es sich um die komplette Linie E, die sogenannte „Friedrichsfelder U-Bahn“. Sie verfügt über folgende Bahnhöfe: Alexanderplatz, Schillingstraße, Strausberger Platz, Memeler Straße (heute: Weberwiese), Petersburger Straße (heute: Frankfurter Tor), Samariterstraße, Frankfurter Allee, Magdalenenstraße, Bahnhof Lichtenberg und Friedrichsfelde. Hinter dem Bahnhof Friedrichsfelde wurde eine Betriebswerkstatt angelegt: Die Betriebswerkstatt Friedrichsfelde

    Näheres zur Linie E (Friedrichsfelder U-Bahn)

    Die neue Linie E:

    Linie EAlexanderplatz – Petersburger Str. – Frankfurter Allee – Friedrichsfelde

    Netzplan von Dezember 1930 (mit der neuen Linie E)

    Die 30er Jahre
  6. 1930

    Die Betriebswerkstatt Eisackstraße (hinter dem U-Bahnhof Hauptstraße) wurde in diesem Jahr stillgelegt. Das in die Werkstatt führende Gleis wurde in der Folgezeit (bis 1932) im Bereich der Kehrgleisanlage getrennt.

1931

  1. Sommer 1931

    Baustopp sämtlicher U-Bahnprojekte

    Südlich des Bahnhofs Leinestraße ist ein U-Bahntunnel bis fast zum Ringbahnhof Hermannstraße entstanden. Ein Drittel des Bahnhofs Hermannstraße ist rohbaufertig.
    Dieser Tunnel blieb die nächsten Jahre ohne Funktion.

    Nordwestlich des Bahnhofs Seestraße sind zwei unabhängige Tunnelabschnitte für die Linie C entstanden. Auch sie wurden „eingemottet“.

  2. 14. Juli 1931

    Alfred Frederik Elias Grenander,
    Berlins großer U-Bahnarchitekt ist im Alter von 68 Jahren in Berlin gestorben.

    Alfred Grenander, ein Stichwort...

    Der am 26.Juni 1863 geborene Architekt Alfred Frederik Elias Grenander

    wuchs in Skölfde in Schweden auf. Paul Wallot holte ihn 1889 nach Berlin in das Baubüro des Reichstages. Anschließend, nach der Fertigstellung des Reichstages, war Grenander an der Berliner Kunsthochschule tätig, bevor er 1899 zur Hochbahngesellschaft wechselte und dort angestellt war. Zunächst entwarf er Detaillösungen im Rahmen des Hochbahnbaues, so zum Beispiel das leider nicht mehr vorhandene Kassenhäuschen am U-Bhf Knie. Viele Brückenwiderlager der Stammstrecke gehen auf seine Entwürfe zurück. Ab 1904 entwarf er komplette U-Bahnhöfe für die Stadt Charlottenburg, ab 1905 auch für die Hochbahngesellschaft (u.a. U-Bhf Leipziger Platz, heute Potsdamer Pl.). Die übrige Spittelmarktlinie geht voll und ganz auf seine Pläne zurück.

    Ab 1922 war Professor Grenander auch für die städtische Nord-Süd-Bahn AG tätig, wo er das Erbe Heinrich Jennens antrat und mit Alfred Fehse zusammen die U-Bahnlinie C fertig stellte. Während die Linie D architektonisch noch recht „bunt“ war, was aber auch andere Gründe hat, hat Grenander die Linie E konsequent in bauhäuslerischer Klarheit nach seiner Architektur-Auffassung entworfen. Grenander war immer versucht, seinen eigenen Stil zu überarbeiten, er hat nie altes wieder „aufgewärmt“. Deutlich wird dies am U-Bahnhof Alexanderplatz, den er 1910 entwarf. 1913 wurde dieser Bahnhof fertig und ab 1926 wurde dieser Bahnhof radikal umgebaut, obwohl die alte Bahnsteighalle der Linie A unverändert blieb. Man mag kaum glauben, dass der gesamte Bahnhof in seiner heutigen architektonisch gegensätzlichen Form von einem Architekten stammt. Grenander hat aber nicht nur U-Bahnhöfe gebaut, -er entwarf fast 50 U-Bahnhöfe eigenverantwortlich, an zahlreichen weiteren Bahnhöfen wirkte er entscheidend mit- sondern war auch für Privatpersonen, Unternehmen und die Stadt tätig. Von ihm stammt z.B. das Verwaltungsgebäude der Knorr Bremsenwerke AG in Rummelsburg und die Gotzkowskybrücke in Moabit. Auch Hochbauten für die BVG entwarf Grenander, wie das Verwaltungsgebäude der BVG am Alexanderplatz oder das Umspannwerk am Hermannplatz, ein Klinkergebäude zur Stromversorgung der Linien C und D.

    Grenander leitete bei der BVG das Konstruktionsbüro, das nicht nur Neubauten sondern auch Umbauten an vorhandenen Bahnanlagen leitete.

  3. 11. August 1931

    U-Bhf. Stadion fertig
    Am Stadion entstand ein neuer leistungsfähiger U-Bahnhof, der das Provisorium von 1913 ablöste.

    Im Inneren des Bahnhofsgebäudes befindet sich das Stellwerk für die Werkstattanlage.
    Es handelt sich hierbei um das größte Hebelstellwerk Europas.

    1983 wurde es außer Betrieb genommen und sollte abgerissen werden. Doch einige ehemalige BVG-Mitarbeiter konnten das Stellwerk wegen seiner Einzigartigkeit erhalten und richteten dort ein U-Bahnmuseum ein. Dieses Museum kann heute besichtigt werden.

  4. 16. August 1931

    Die Zugläufe der Linie A I wurden zusammen gefasst. Seither brachte man an der Deutschen Oper und am Stadion nicht mehr umsteigen, um nach Ruhleben zu gelangen.

    Die Linie A I seither:

    Linie A IPankow – Alex – Städt.Oper – Stadion – Ruhleben
    Linie A IPankow – Alex – Städt.Oper – Wilhelmplatz (jed. zweite Zug)
  5. 1931

    U-Bhf. Onkel-Toms-Hütte fertiggestellt

    Dieser Bahnhof wurde in den Monaten zuvor umgebaut, ein Einkaufzentrum wurde eingegliedert.

1932

  1. 1. April 1932

    Nord-Süd-Bahn AG wird aufgelöst.
    Die Nord-Süd-Bahn AG ist 1922 von der Stadt Berlin mit der Aufgabe gegründet worden, den U-Bahnverkehr auf der Nord-Süd-Bahn zu betreiben. Als die Stadt Berlin in ihrer Not im Dezember 1922 einen Betriebsvertrag mit der Hochbahngesellschaft schloss, fielen der Nord-Süd-Bahn AG nur noch planerische Aufgaben zu. Sie führte seither – auch nach Gründung der BVG – sämtliche Planungsarbeiten für den U-Bahnneubau aus. Seit 1931 aber ruht der U-Bahnneubau komplett. Es war zu diesem Zeitpunkt auch nicht absehbar, wann der U-Bahnneubau wieder aufgenommen werden soll. Aus diesem Grunde war das Unternehmen zwecklos geworden. Somit wurde die Nord-Süd-Bahn AG als Tochterunternehmen der BVG zum 1. April liquidiert und aus dem Handelsregister gelöscht.

  2. 1932

    Am U-Bhf. Wilhelmplatz wird der letzte „Handblock“ außer betrieb genommen.
    Somit ist der Umbau des Signalsystems im gesamten Netz abgeschlossen.

1933

  1. 30. Januar

    Die Machtübernahme
    Adolf Hitler hat mit seiner „NSDAP“ die Macht erschlichen.

  2. 28. Februar

    Der Reichstag ist ausgebrannt.

  3. 24. April 1933

    Der U-Bhf. Reichskanzlerplatz (heute: Th.-Heuss-Pl.) wird umbenannt in „ Adolf-Hitler-Platz “

  4. 3. Juni 1933

    Der U-Bhf. Hasenheide (heute: Südstern) wird umbenannt in „ Kaiser-Friedrich-Platz “

    Netzplan von Mai 1933

    Die 30er Jahre
  5. 1. Juli 1933

    Am Innsbrucker Platz in Schöneberg wurde der S-Bahnhof der Ringbahn eröffnet.
    Auch der U-Bahnhof Hauptstraße wurde umbenannt:
    Er heißt seither „ Innsbrucker Platz (Hauptstraße) “

1934

  1. Januar 1934

    Die BVG bündelt ihre Verwaltung in der Köthener Straße

    Ein Teil der Verwaltung war bislang auch am Leipziger Platz untergebracht. Es war die ehemalige Verwaltung der Straßenbahn.
    Das Verwaltungsgebäude in der Köthener Straße dagegen war früher die Verwaltung der Hochbahngesellschaft.

  2. Frühjahr 1934

    Baubeginn der Nord-Süd-S-Bahn am Stettiner Bahnhof

  3. 1. Mai 1934

    Der U-Bahnhof Schönhauser Tor (heute: Rosa-Luxemburg-Pl.) wird umbenannt in „ Horst-Wessel-Platz “. Kaum bekannt dagegen dürfte heute sein, dass der heutige Stadtteil Friedrichshain damals „Horst-Wessel-Stadt“ hieß.

  4. 16. August 1934

    Der U-Bahnhof Städtische Oper (Bismarckstraße) wird umbenannt in
    „ Deutsches Opernhaus (Bismarckstraße) “, er heißt heute Deutsche Oper.

1935

1935 Wagenpark Kleinprofil
Die BVG mustert eine Reihe alter A-I-Wagen aus. Es sind Wagen der ersten Beschaffungsjahre.

  1. 1. Februar 1935

    Der 1906 eröffnete U-Bhf. Wilhelmplatz wurde umbenannt in „ Richard-Wagner-Platz “

  2. 1. März 1935

    Der 1913 eröffnete und 1931 umgebaute U-Bahnhof Stadion wurde umbenannt in „ Reichssportfeld “

  3. 1. Juni 1935

    Der 1913 eröffnete U-Bahnhof Inselbrücke wurde umbenannt in „ Märkisches Museum “

1936 – Das Olympia-Jahr

Die 30er Jahre

1936 Der U-Bahnhof Kaiserdamm bekam eine Namensergänzung. Sein neuer Name lautet nun „ Kaiserdamm (Messedamm) “.

  1. 1. Februar 1936

    Der U-Bahnhof Nordring wird umbenannt. Der neue Name lautet „ Schönhauser Allee “.

    Außerdem wird der Umsteigebahnhof Friedrichstadt umbenannt. Der neue Name lautet nun: „ Stadtmitte (Leipziger Straße) “ für die Linie C und „ Stadtmitte (Mohrenstraße) “ für die Linie A.

  2. 28. Juli 1936

    Nord-Süd-S-Bahn eröffnet!
    Der erste Abschnitt dieser Strecke reicht vom Stettiner Bahnhof bis zum Bahnhof Unter den Linden.
    Am Bahnhof Friedrichstraße kann umgestiegen werden zur Stadtbahn und zur U-Bahnlinie C.

  3. 2. August 1936

    Bis zum 16. August finden in Berlin die Olympischen Sommerspiele statt.

1937

  1. 1937

    Am Bahnhof Frankfurter Allee soll künftig darauf hingewiesen werden, dass dort die Ringbahn erreicht werden kann.
    Aus diesem Grunde bekommt dieser U-Bahnhof einen Namenszusatz: „ Frankfurter Allee (Ringbahn) “.

  2. 1. Oktober 1937

    Auf Führerbefehl werden zwei U-Bahnhöfe umbenannt:
    Der Bahnhof Flughafen wird umbenannt in „ Paradestraße “ und der Bahnhof Kreuzberg wird umbenannt in „ Flughafen “.

    Hintergrund ist der im Bau befindliche neue Zentralflughafen, der sein Empfangsgebäude am ehemaligen Bahnhof Kreuzberg haben wird. Allerdings ist der neue Flughafen bei weitem noch nicht fertig.

    1937 Wagenpark
    Die BVG trennt sich von 20 Trieb und 20 Beiwagen der ersten Beschaffungsjahre.

1938

  1. 1. Januar 1938

    Die BVG ist und bleibt ein rein städtisches Unternehmen.
    Sie firmiert um in „Berliner Verkehrs-Betriebe (BVG)“
    Bisher nannte sich die BVG „Berliner Verkehrs-Aktiengesellschaft“

  2. 1938

    Die Stadt beginnt an einigen Stellen mit dem Bau neuer U-Bahnstrecken:
    Im Einzelnen: Adolf-Hitler-Platz (heute: Th.-Heuss-Platz), Tempelhofer Damm, Charlottenburger Chaussee (heute: Straße des 17. Juni) und an der Mühlendammbrücke
    In erster Linie handelt es sich um Bauvorleistungen für zukünftige U-Bahnprojekte.

  3. 9. November 1938

    Reichspogromnacht

1939

Germania – Die neue Hauptstadt Deutschlands

Albert Speer hat im Auftrage Hitlers ein neues Berlin geplant.
Für die Ausführung dieser Planungen müssten große Teile Berlins abgerissen werden. Hauptbestandteil dieser Pläne ist die neue „Nord-Süd-Achse“, die sich mit ihren imposanten Gebäuden vom Reichstagsgebäude südwärts bis nach Mariendorf ziehen soll. Diesen Plänen muss auch das U-Bahnnetz mit seinen Planungen angepasst werden. Es sind sehr umfangreiche Umbauten und Neubauplanungen vorgesehen. Zum Beispiel wird das gesamte Areal um das Gleisdreieck beseitigt. Stattdessen werden diese Hochbahnstrecken als unterirdische Strecken neu erstellt.
Nachfolgend werden die U-Bahnplanungen vereinfacht dargestellt:

Die 30er Jahre
  1. 1. Januar 1939

    Der U-Bhf. Kaiser-Friedrich-Platz (heute: Südstern) wurde umbenannt in „ Gardepionierplatz “

  2. 31. August 1939

    Erlass zur Einrichtung von Luftschutzräumen in öffentlichen und privaten Gebäuden.

  3. 1. September 1939

    Der Zweite Weltkrieg ist ausgebrochen!

    Die U-Bahn und der Zweite Weltkrieg

    Natürlich hatten die Ereignisse des Krieges im Laufe der Jahre zunehmend Einfluss auf das Geschehen bei der BVG. Die ersten Einschränkungen gab es im Februar 1940 für alle sichtbar: In den Bahnhöfen verschwanden sämtliche Netzpläne, die relativ genaue Stadtpläne Berlins waren.

    Doch schon früher ging es los: 1939 gab es einen Erlass, dass Räumlichkeiten zu öffentlichen Schutzräumen auszubauen waren. Dieser Prozess setzte sich bis Anfang der 40er Jahre fort. Umbauten größeren Stils fanden statt in folgenden Bahnhöfen: Alexanderplatz, Moritzplatz, Lichtenberg, Nollendorfplatz und Gesundbrunnen aber auch in noch nicht eröffneten Bahnhöfen wie dem erst 1996 eröffneten Bahnhof Hermannstraße.

    Auch sonst waren Änderungen auszuführen: Die Bahnsteigkanten waren mit weißer Farbe kenntlich zu machen, die Signale und auch die Zuginnenbeleuchtung war abzublenden, zumindest auf den oberirdischen Streckenabschnitten, dies war die Folge von Verdunkelungsanordnungen. Aus diesem Grunde wurden auch bauliche Veränderungen vorgenommen: Am Bahnhof Spittelmarkt mussten deshalb die der Spree zugewandten Fenster vermauert werden. Auch betrieblich wurden Vorkehrungen getroffen: So wurden zusätzliche Sitzbänke aufgestellt und Sanitätshilfskräfte für den Krisenfall ständig auf Bahnhöfen postiert. Ebenso waren alle Sperrwehre an Flussunterfahrungen personell rund um die Uhr besetzt, damit diese Tore bei Alarm geschlossen werden konnten.

    Dies jedoch war alles harmlos gegenüber dem, was noch kommen sollte: Die feindlichen Angriffe!
    Der erste dokumentierte Schaden ereignete sich in der Nähe des Bahnhofes Kottbusser Tor, wo eine Bombe in den Boden einschlug und die Tunneldecke der Linie D beschädigte. Es war nur ein Blindgänger. Das war am 29. August 1940. Damals war ein Fliegerangriff etwas Besonderes und die Bevölkerung kam von weit her, um solche Schäden in Augenschein zu nehmen! Auch dies änderte sich bald.

    Am 21.Oktober 1940 zum Beispiel erhielt der Bahnhof Stadtpark seinen ersten Volltreffer. Es sollten an diesem Ort noch weitere folgen. Am 16.Dezember wurde westlich von Wittenbergplatz der Zugverkehr eingestellt: Eine Bombe durchschlug in der Tauentzienstraße die Tunneldecke und sorgte für heftige Schäden. Am 21.Dezember 1940 wurde erstmalig der Betrieb auf der Kreuzberger Hochbahnstrecke eingestellt, nachdem diese Strecke einen Schaden
    erlitt.
    Danach war für längere Zeit relative Ruhe. Erst ab Mai 1943 ging es richtig los: Am 2.August erging von der Regierung die Aufforderung, Berlin zu verlassen: Es war die Zeit der leidigen aber lebensrettenden „Kinderlandverschickungen“, für die Kinder oftmals ein Abschied für immer.

    Am 3.September 1943 erlitt die Hauptwerkstatt Grunewald einen schweren Schaden, 40 abgestellte U-Bahnwagen wurden ein Raub der Flammen. Am 23.November 1943 wurde das BVG-Verwaltungsgebäude in der Köthener Straße zerstört. Für die U-Bahn mit der Folge, dass der Nachrichten- und Fernsprechverkehr zusammenbrach. Am 30.Januar 1944 gab es einen schweren Angriff, wodurch ein Großteil des U-Bahnnetzes erst mal stillstand. (Linie A: Potsdamer Pl. – Zoo und bis Breitenbachplatz; Linien B I und B II komplett sowie Linie C II) Am 15.Februar 1944 wurden die Bahnhofe Gleisdreieck und Reichssportfeld schwer beschädigt – beide Bahnhöfe sind für den U-Bahnbetrieb von großer Wichtigkeit. Am 21.Mai 1944 wurde die Betriebswerkstatt Seestraße weitgehend zerstört.

    Ab dem 26.Januar 1945 wurde der verbliebene Zugumlauf auf allen Strecken auf 30 Minuten gestreckt. Am 3.Februar 1945 gab es einen äußerst schweren Angriff auf die Reichshauptstadt: Die Liste der bei diesem Angriff zerstörten Bahnhöfe ist endlos, allein 27 Volltreffer. Eine Bombe durchschlug die Tunneldecke im Bahnhof Hallesches Tor und tötete 43 anwesende Fahrgäste. Am Bayerischen Platz standen zwei Züge im Bahnhof, während mehrere Bomben einschlugen: Sie zerstörten den Bahnhof und töteten 63 Menschen. Schlimm waren die Folgen durch drei Einschläge in den Bahnhof Memeler Straße, wo 200 Menschen (viele Frauen und Kinder) ums Leben kamen. Dieser Horrorbericht ließe sich noch fortsetzen! Nach diesem Angriff fuhren noch Züge auf folgenden Strecken:
    Linie A I: Pankow – Alexanderplatz
    Linie A I: Zoolog.Gtn.- Ruhleben und Richard-Wagner-Platz
    Linie C I: Seestraße – Stettiner Bahnhof
    Linie D: Gesundbrunnen – Alexanderplatz

    Die 30er Jahre

    Seit dem 12.April 1945 dürfen nur noch Inhaber eines Sonderausweises die U-Bahn benutzen. Zu diesem Zeitpunkt lagen die Russen schon in den Vororten Berlins, von der U-Bahn war schon nicht mehr viel übrig, Strecke um Strecke wurde stillgelegt, weil die Schäden nicht mehr unter Kontrolle zu bringen waren. Ab dem 19.April wurde der Zugtakt nochmals erheblich gestreckt. Man konnte nun keineswegs mehr von einem „regelmäßigen“ Zugverkehr sprechen, es war nur noch ein gelegentlicher Verkehr auf den verbliebenen Strecken. Die Stromlieferungen waren äußerst ungleichmäßig, außerdem konnte jederzeit ein erneuter Angriff kommen.

    Am 25.April 1945 bestand das „U-Bahnnetz“ nur noch aus zwei U-Bahnzügen der Linie A I: Ein Zug fuhr von Wittenbergplatz bis Kaiserdamm, der zweite von Kaiserdamm nach Ruhleben. Gegen 18 Uhr stand das Kraftwerk Unterspree unter direkten Beschuss, so wurde die Stromversorgung beendet mit der Folge, dass für die Berliner U-Bahn der Krieg zu Ende war.

    Für Details: Die Berliner U-Bahn und der Krieg

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