Der BVG Netzplan 1930 ist die erste Netzspinne der 1929 gegründeten Berliner Verkehrs-Aktiengesellschaft und ein historischer Netzplan Berlins in seltener Form: Das Warenhaus Karstadt am Hermannplatz, im Vorjahr eröffnet, nutzte den Plan als Werbeträger und ließ ihn mit seinem Aufdruck verteilen. Die Netzspinne 1930 zeigt das Netz im Zustand von Juli 1930, mit den fünf Linien A bis E und der neuen GN-Bahn bis Gesundbrunnen.

Die Linien A bis E auf dem BVG Netzplan 1930
Die Linien tragen 1930 Buchstaben statt Nummern. Linie A ist die alte Stammstrecke der Hochbahngesellschaft, von Ruhleben über Wittenbergplatz und Potsdamer Platz zum Alexanderplatz und weiter nach Pankow; Linie B führt von der Warschauer Brücke über Gleisdreieck nach Wilmersdorf und Dahlem bis Krumme Lanke; Linie C ist die Nord-Süd-Bahn der Stadt von der Seestraße über die Friedrichstraße nach Neukölln und Tempelhof; Linie D die im April 1930 bis Gesundbrunnen vollendete GN-Bahn; Linie E die im Dezember 1930 eröffnete Strecke vom Alexanderplatz nach Friedrichsfelde. Wer die Linien des Plans in ihrer heutigen Gestalt sucht, findet sie als U2, U1 und U3, U6 und U7, U8 und U5.

Das Netz 1930: fünf Linien, 75,9 Kilometer, 103 Bahnhöfe
1930 war das Jahr mit den meisten Eröffnungen seit dem Bau der Hochbahn. Im April erreichte die GN-Bahn Gesundbrunnen, im Juni fuhr die Pankower Hochbahn von der Schönhauser Allee bis zur Vinetastraße, im Dezember folgten die Großprofilstrecke von der Bergstraße zur Grenzallee und die Linie E nach Friedrichsfelde. Nach der Zählung der Chronik des Jahres 1930 wuchs die Betriebslänge damit auf 75,9 Kilometer mit 103 Bahnhöfen; auf dem BVG Netzplan 1930 vom Juli fehlen die Dezember-Eröffnungen noch. Ein historischer Netzplan Berlins aus diesem Jahr dokumentiert deshalb einen Zwischenstand, den es nur wenige Monate gab.
Die Netzspinne als Aushang: was der Plan zeigt
Der Begriff Netzspinne bezeichnet in Berlin den schematischen Liniennetzplan, wie er als Aushang in den Bahnhöfen und als Faltblatt verbreitet wurde. Die Netzspinne 1930 verzichtet auf jede Geografie: Die Linien laufen als gerade Bänder, die Bahnhöfe stehen in gleichmäßigem Abstand, Umsteigebahnhöfe sind hervorgehoben. Genau diese Form machte den Plan als Werbefläche interessant; dass die BVG ihre Pläne heute nicht mehr an Warenhäuser vergibt, ist eine der Beobachtungen, mit denen die Serie der historischen Netzpläne begann.
Historische Netzpläne von 1914 bis 1994
Der BVG Netzplan 1930 ist eine Ausgabe aus einer Serie von mehr als fünfzig historischen Netzplänen, die auf diesen Seiten Jahr für Jahr zu sehen sind: die Pläne der Hochbahngesellschaft ab 1914, die Ausgaben der BVG der 1930er Jahre, die Kriegs- und Nachkriegspläne, die getrennten Netzspinnen von BVG (West) und BVB (Ost) nach 1961 und die ersten gesamtstädtischen Pläne nach 1990. Jede Ausgabe steht mit Abbildung und Erläuterung unter ihrem Jahr.
1910er Jahre
1920/30er Jahre
1922 1926 Mai 1928 Juli 1930 Sommer 1931 Juli 1934 Mai 1937 Mai 1938 1939
1940er Jahre
April 1940 1945 März 1946 März 1947 Jan. 1948 Juli 1949 1949 (Kyrillisch)
1950er Jahre
Juli 1950 Mai 1951 Januar 1952 Juli 1953 April 1954 BVG-Ost 1956 Nov 1956 1957 1959
1960er Jahre
Mai 1960 Sept. 1961 Mai 1962 Mai 1963 1964 Mai 1965 März 1966 1967 Mai 1968
1970er Jahre
Jan. 1970 Feb. 1971 März 1972 Feb. 1973 Feb. 1974 April 1975 April 1976 Mai 1977 April 1978 Aug. 1979
1980er Jahre
März 1980 Juli 1981 Mai 1987 Juli 1989 (BVB-Ost)
1990er Jahre
August 1992 Nov. 1993 Sept. 1994
Häufige Fragen zum BVG Netzplan 1930
Welche Linien zeigt der BVG Netzplan 1930?
Fünf Linien mit den Buchstaben A bis E: A als Stammstrecke der Hochbahn nach Ruhleben und Pankow, B nach Warschauer Brücke und Krumme Lanke, C als Nord-Süd-Bahn von der Seestraße nach Neukölln und Tempelhof, D als GN-Bahn von Gesundbrunnen nach Neukölln und E vom Alexanderplatz nach Friedrichsfelde. Die heutigen Nummern U1 bis U9 kamen erst 1966.
Wie groß war das U-Bahn-Netz 1930?
Nach der Zählung der Chronik umfasste das Netz Ende 1930 eine Betriebslänge von 75,9 Kilometern mit 103 Bahnhöfen, davon 43,4 Kilometer Kleinprofil und 32,5 Kilometer Großprofil. Allein 1930 kamen die Abschnitte Jannowitzbrücke – Gesundbrunnen, Schönhauser Allee – Pankow, Bergstraße – Grenzallee und die Linie E hinzu.
Wo gibt es weitere historische Netzpläne der Berliner U-Bahn?
In der Netzplan-Serie dieser Seiten: über fünfzig Ausgaben von 1914 bis 1994, darunter die Pläne der Hochbahngesellschaft, die Kriegs- und Nachkriegsausgaben, die getrennten Pläne von BVG (West) und BVB (Ost) und die ersten gesamtstädtischen Netzpläne nach 1990. Die Übersicht führt alle Jahre auf.